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Archiv der Kategorie ‘Sonstiges’



Dienstag, 6. Januar 2009

Der gläserne Mensch

Beim standardmässigen Überfliegen meines Kontoauszuges stolperte ich dieses Mal aus Versehen über folgende Zeilen:

DIE ZIFF. 11 IN DEN AGB’S HAT SICH GEAENDERT. PER 1.1.09 SIND WIR VERPFLICHTET, IM ZAHLUNGSVERKEHR FOLGENDE DATEN WEITERZULEITEN: KONTOINHABER UND KONTONUMMER
DIE NEUEN AGB’S SIND IM INTERNET ODER AM SCHALTER EINSEHBAR.

Neugierig wie ich bin, schaute ich mir diesen neuen Absatz doch gleich mal an.

Für die Abwicklung des in- und ausländischen Zahlungsverkehrs werden unter anderem Name, Adresse und Kontonummer des Auftraggebers angegeben. [...] Der Kunde nimmt zur Kenntnis, dass ins Ausland übermittelte Zahlungsverkehrsdaten nicht mehr durch das schweizerische Recht geschützt sind. Speziell im Rahmen der internationalen Terror- und Geldwäschereibekämpfung können ausländische Gesetze und Regulierungen die Weitergabe dieser Daten an Behörden oder andere Dritte vorsehen.

Ein weiteres kleines Zeichen, dass so etwas wie Privatsphäre und Datenschutz je länger je mehr nicht mehr existiert. Nicht, dass mich das stört. Als Blogger, Googler mit Account, Cumulus- und Kreditkartenbestizer und Facebooknutzer mit öffentlichem Profil bin ich mir schon lange im klaren, nichts weiteres als ein gläserner Mensch zu sein. Schon mit einer kleinen Suchanfrage kann jeder beliebige Mensch auf dieser Welt bereits tief in mein Leben eintauchen. Mit ein paar Telefonanrufen wären sicherlich noch viel mehr Informationen erhältlich, geschweige denn von einem Angriff auf bestimmte Datenbanken.
Hat es überhaupt noch einen Sinn, sich über Datenschutz Sorgen zu machen? Dienen solche Debatten nicht nur noch dazu, etwas, das in Wirklichkeit schon lange nicht mehr existiert, schön zu reden? Jede Wette, dass genau diese Menschen, die sich darüber aufregen, keine Privatsphäre mehr zu besitzen, bei jedem Einkauf ihre Supercard zücken und obengenannte Zeilen desinteressiert überfliegen…

Sonntag, 28. Dezember 2008

Jahresrückblick?

Wo man auch hinschaut, überall gibt es Ende Jahr Rückblicke. Was hat die Welt bewegt, was die Schweiz? Was haben die Promis so getrieben, was die Politiker? Da neigt man doch unweigerlich dazu, sein eigenes Jahr zu hinterfragen. Witzig ist auch der Vergleich mit einem anfangs Jahr erstellten Jahreshoroskop:

Die Widder können sich auf ein wunderbares 2008 freuen, das sich prächtig und mit viel angenehmen Trubel entwickeln wird. Genauso wie der Widder es mag, denn er hält auch noch die Fäden in der Hand: So bestimmen Sie den Kurs und man wird Ihnen auch gerne folgen, weil Sie sind 2008 “Der Macher”!

Tja Tude, da hast du wohl etwas danebengegriffen. ;)
Wäre ich der “Macher” gewesen, hätte ich nach einer guten Zeit in Irland und einigen Wochen im Militär im Herbst einen Schritt weiter in Richtung Zukunft gemacht. Stattdessen war eher Vater Staat der Macher und schenkte mir ein Jahr, das mir immer noch nicht als ganzes Jahr vorkommt. 9 von 12 Monaten habe ich im grünen Verein verschenkt, so dass ich mich immer noch frage, wo dieses Jahr eigentlich der Sommer geblieben ist. Eigentlich müsste eine Fussball-EM im eigenen Land doch irgendwie prägen, doch ist sie irgendwie an mir vorbei gegangen, so dass ich nur bruchstückhafte Erinnerungen an diesen Event habe. Wer hat eigentlich gewonnen!?
Wenn nach dreiviertel Jahren mit Fleischkäse statt Gehirn im Kopf plötzlich wieder Silvester ansteht, fühlt sich das schon seltsam an. 2008 besteht für mich aus zwei Monaten Dublin, drei Wochen Jamaika und einem riesigen, grünen, undefinierbaren etwas dazwischen. Naja, einen Vorteil hat das ganze aber trotzdem: 2009 kann nur besser werden. :D

In diesem Sinne einen guten Rutsch und ich verziehe mich dann mal noch für ein paar Tage nach Holland… =)

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Frohe Weihnachten

Und wieder einmal ist es so weit, es ist Weihnachten. Die alljährliche Geschenkesuche habe auf den letzten Drücker doch auch noch überstanden, so dass einem beschaulichen Fest nichts mehr im Wege steht. Hoffen wir, dass der Weihnachtsbaum kein Feuer fängt, man keine Geschenke erhält, die man schon lange hat und die unzähligen Verwandtenbesuche schnellstmöglich vorbei gehen. :D Schöne Festtage allerseits!

Sonntag, 31. August 2008

Virtuelle Unendlichkeit

Dass sich die technische Welt rasend schnell entwickelt, ist ja bekanntlich nichts Neues. Ich staune immer wieder, wievieles heute möglich ist, was man vor einigen Jahren noch nicht zu träumen wagte. Besonders extrem verhält es sich mit dem Voranschreiten bei Dateigrössen und Speicherplatz. Noch vor wenigen Jahren hatte ich über ein gutes altes Piep-Piep-Modem Verbindung zum Internet und ab und zu ein kurzes low-quality Video herunterzuladen war Luxus. Heute kann ich an einem Wochenende schnell mal ein paar Gigabytes saugen – und das ganze immer schneller. Ich staunte, als gestern plötzlich die Daten mit über 500 KB/s durch meine Leitung rasten. Eine kurze Suche lieferte die Erklärung: “Per 25. August 2008 erhöht Swisscom die Bandbreite ihrer Internetanschlüsse…”

Diese Steigerung der Verbindungsgeschwindigkeit ins Internet ist natürlich nur eine Folge des immer mehr unendlich scheinenden Speicherplatzes. Waren vor wenigen Jahren 50 MB für ein Mail-Konto bereits viel, habe ich heute bei GMail 7 GB; und täglich werdens mehr. Als ich vor vier Jahren meine erste Digitalkamera kaufte, zahlte ich für 256 MB auf einem Memorystick auch noch über 60 Franken. Heute gibts das achtfache für unter 20 Fr. Ebenso verhält es sich mit USB-Stickts und besonders Festplatten. Speicherplatz kostet immer weniger und lässt das IKEA-Motto Create more Space virtuell zum Einfachsten der Welt machen.

Wo Platz vorhanden ist, wird dieser Platz natürlich ausgenutzt. Was aber, wenn der vorhandene Platz de facto unendlich gross ist? Es sammelt sich immer mehr und mehr an und es ist keine Motivation mehr vorhanden, bestimmte Dinge auszumisten. Auch wenn ich mich selber eher als Sammler bezeichnen würde, bin ich mit dieser Entwicklung doch nicht ganz einverstanden. Was, wenn sich diese Hamster-Mentalität zunehmend auf die wirkliche Welt überträgt? Digital können wir alles verstauen (ob wir es dann auch wieder finden, wenn wir es brauchen, sei mal dahingestellt), unsere Regale, unsere Welt aber haben noch klar definierte Grenzen.

Nehmen wir das Beispiel Fotografie: Seit der digitalen Technik wird viel mehr geknipst, schliesslich können schlechte Bilder ja wieder gelöscht werden. Natürlich sehe ich diesen Punkt ebenfalls als grossen Vorteil, doch finde ich es nach wie vor wichtig, sich vor dem Abdrücken einige Gedanken zu machen. Ebenso in der Nachbearbeitung: Auch wenn ich theoretisch Speicherplatz für mehr Fotos habe, als ich je machen werde, wird bei mir trotzdem nach jedem Shooting so aussortiert, dass nur noch diejenigen Fotos bleiben, die ich zu früheren Zeiten in ein Album geklebt hätte. Qualität statt Quantität trotz unbegrenztem Raum.

Und bevor ich eine weitere externe Festplatte kaufen werde, werde ich sicher meine alte erst ausmisten – auch wenn der Zeitaufwand und die freigewordene Datenmenge in keinem Verhältnis zum Preis eines neuen Speichermediums stehen würde.

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