Archiv der Kategorie ‘FULW RS 95-2’
Sonntag, 7. September 2008
Eigentlich ist der militärische Tagesablauf ja genau geregelt. 6 Uhr Tagwache, 11:50 Mittagessen, 22:00 ABV, etc. – ein seit eh und je unveränderter Zeitplan der an und für sich keinen Grund zu Diskussionen bietet. Ganz mühsam hingegen wirds, wenn alle Zeiten minutengenau eingehalten werden müssen, da es ansonsten ein riesen Tamtam gibt. Nicht unbedingt wegen der übertriebenen Pünktlichkeit sondern weil kein Mensch weiss, nach welcher Uhr diese Zeiten kontrolliert werden. So beträgt die Differenz zur Uhr im Lehrgebäude zu der am Gebäude U1 immerhin 4 Minuten. Diese am U1 stimmt aber wiederum nicht mit derjenigen im Gang überein (falls diese mal nicht durch fussballspielende Rekruten zu Schrott verarbeitet wurde) und diese im Gang zeigt nochmals eine andere Zeit als die Uhr im Esssaal. Dazu kommt, dass die meistens für den ZS verantwortliche Feldi-Uhr sowiso nochmals anders tickt…
Nun aber zur letzten Woche: Diese verlief bis Mittwoch ganz normal mit TD. Am Mittwoch Morgen verzogen wir uns dann nach Frauenfeld, wo wir für die in der nächsten Woche stattfindende Ausstellung Comm 08 unsere Sondierstation aufbauten. Am Nachmittag durften wir Wetterkader wieder einmal einen Ballon steigen lassen, wobei wir aber nicht gerade die beste Sonde erwischten – nach 15 Minuten blinkte nur noch ein Daten-Timeout auf unserem Rechner… Am Abend gings dann weiter mit dem Aufstellen einer scharfen Wache. Bis alles Material an seinem Ort war, liefs etwas chaotisch ab, anschliessend gings aber trotz Müdigkeit und Langeweile gut – jedenfalls gabs ausser einem Igel auf der Strasse keine Toten. ;)
Am Donnerstag Abend wurde alles wieder abgebaut und dann gings in den Ausgang. :) Leider war der Ausgang für einige von uns Kadern etwas zu gut, so dass wir schnell mal die Gerüchte vergassen, die aufgrund der erhöhten Marschbereitschaft in dieser Nacht herumgingen. Tatsächlich aber stand um halb drei unser Stabi im Zimmer und faselte etwas von Tagwache. So fanden wir uns alle eine halbe Stunde später – zum Teil noch recht alkoholisiert – in unserer Barake wieder und bereiteten Lektionen zum Thema Beobachtungsposten vor. Die nächsten Stunden waren äusserst witzig und genau so gings weiter, als wir am Nachmittag in irgend ein Kaff reisen mussten um dort Informationen zu holen. Dank einiger Kreativitätsanfälle übertrafen wir uns punkto Präsentation und Plakatgestaltung wieder mal selbst und zauberten einige Kunstwerke. :D
Als wir endlich im Bett waren, gings dann auch nicht mehr lange, bis wir ins Wochenende abtreten konnten. Nächste Woche wird für mich zum Glück relativ kurz, da ich am Donnerstag bereits beim Aufbau des nächsten Break the Silence Konzerts helfen werde.

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Samstag, 30. August 2008
Eine weitere sinnlose Woche in der Schweizer Armee ist um, ein weiteres viel zu kurzes Wochenende steht an, bevor das ganze wieder von vorne beginnt…
Wer jetzt das Gefühl hat, dass meine Stimmung nicht gerade die beste ist, liegt völlig richtig. Startete ich doch am Montag noch einigermassen motiviert, nahm diese Motivation aber spätestens am Dienstag ab, nachdem ich 3 Mal die selbe dreistündige Lektion gehalten habe. Zu Recht erhielt meine Lektionenbewertung die Bemerkung LMAA – die stabsadjutantische Abkürzung für eine Leck-mich-am-Arsch-Stimmung. Vielleicht liegts daran, dass ich Tag für Tag aufstehe um anschliessend um 7 Uhr Morgens (was immer mehr zur dunklen Nacht wird) in einer sinnlosen Formation herumzustehen, die sowiso nicht schön ausgerichtet ist, so dass man noch 3 Mal zurücktreten und sich neu formieren kann. Und ein Tag, der schon sinnlos beginnt, geht nur in den wenigsten Fällen besser weiter…
Einiges wiederum sinnloses Herumkommandieren bestimmter Herren Zugführer rundeten die Anschiss-Stimmung in dieser Woche noch herrlich ab. Das einzig Positive waren die beiden Ausgänge und für uns Kader der Freitagmorgen bzw. -nachmittag. Ohne Zugführer schnappten wir uns einige Kisten Munition sowie Knall- und Nebelpetarden und verzogen uns auf unseren Schönwetterschiessplatz in Oberurnen. In Erinnerungen an unsere ersten 3 UOS-Wochen schwelgend genossen wir eine Ausbildung in Feuer und Bewegung. Unter andauerndem Beschuss der Scheiben zogen wir ins gegnerische Gebiet vor, suchten Schutz hinter Erdwällen und in Schützengräben und sorgten für ordentlich Lärm und Rauch um anschliessend wieder sicher in Deckung zu gelangen. Jaja, unser Schiessplatz Walenberg – ein Spielplatz für grosse Kinder. :D
Leider wurde die Stimmung am letzten Abend aber durch einen unfähigen Fahrer, sehr seltsames Essen und wohl wahnsinnig gewordene Zugführer gleich wieder getrübt. Hoffen wir mal, dass die nächsten Wochen wieder besser werden – immerhin sinds immer noch zwölf…
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Samstag, 23. August 2008
Wie wir es bereits in unserer UOS erlebt haben, war auch jetzt der Unterschied von der Grundausbildung zum technischen Dienst riesig. Mit einem Schlag wird irgendwie alles gemütlicher und plötzlich auch einigermassen interessant. Endlich kam man auch wieder etwas aus der Kaserne hinaus – auch wenns nur das Ergänzungsgebäude in Dürrbach ist. Wir Wetterkader erhielten einen modernen Vorbereitungsraum und äusserst grosszügige Vorbereitungszeiten, was das Arbeiten um einiges angenehmer macht, auch wenn wir uns erst wieder an den Humor bestimmter Adjutanten gewöhnen mussten. Aber auch den Rekruten machen die neuen Themen rund um die Meteorologie deutlich mehr Spass, so dass sich das Arbeitklima von diversen Ah-ich-mag-die-Schutzmaske-nicht-schon-wieder-anziehen-Lektionen eindeutig positiv abhebt.
Eine lockere Stimmung zeichnet sich erfahrungsgemäss auch in den Ausgängen aus und da war auch diese Woche keine Ausnahme. Gerüchten zufolge soll besonders das Kader ordentlich gefeiert haben, was aufgrund von Erinnerungslücken allerdings nicht bestätigt werden kann. ;) Nächtliche Vorfälle werden natürlich wie bisher immer als “Geheim” eingestuft und gedeckt getarnt unter den Teppich gekehrt. (= hier gibts keine bösen Ausgangsgeschichten :P)
Kritischer Tag dieser Woche war der Donnerstag, als wir mit den Rekruten ins schöne Oberurnen (natürlich wieder einmal mit sonnigem Wetter) fuhren und SAT-Schiessen übten. Rekruten, die zum Teil das Sichern der Waffe noch nicht beherrschen, mit geladenem Gewehr herumrennen und Verschiebungen unter Feuer üben lassen – klingt doch etwas heikel, nicht? Glücklicherweise ist der Tag gut verlaufen und alle konnten nach einigen zusätzlich verschossenen Knall- und Nebelpetarden lebendig am Abend in den Ausgang.
Der Freitag war zum letzten Mal sehr von Führungstheorie geprägt und da uns leider erneut einer unserer Kameraden aus privaten Gründen verlassen mussten, konnten wir gleich die Theorie des Gruppenbildungs und -zerfallprozesses praktisch umsetzen. Nach etwas Abendsport war dann auch wieder Wochenende. Noch 13 Wochen…

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Samstag, 16. August 2008
Fertig AGA! Nach 7 Wochen ist die Allgemeine Grundausbildung nun abgeschlossen und unsere Rekruten können alles, was ein Schweizer Soldat grundsätzlich eben so können muss, einigermassen. Das wurde gleich zu Beginn der Woche in der Inspektion deutlich gezeigt, schnitt doch die gesamte Kompanie mit der Note 4 (sehr gut) ab – der wahre Elitezug landete wegen einem einzigen Punkt aber leider nur auf Platz 2. Es gab einiges Lob an die Rekruten und auch an uns Kader. Sogar – und das setze uns Obgfrs alle doch sehr in Verwunderung – unser ehemaliger Kadi verlor einige positive Worte über die Sturmgewehrhandhabung!
Wie auch in unserer 7. Woche stand ebenfalls am Montag die Übung Terzo an. Der 15-Kilometer-Marsch, der für mich damals wohl der bisher schlimmste Tag im Militär war. Ganz anders sah zum Glück der zweite Versuch aus: Das Wetter spielte am Anfang mit und auch als wir später verregnet wurden (was einige Déjà-vus zur Folge hatte), war dies dank der Temperaturen doch eher eine angenehme Abkühlung als eine Erschwernis. Die Strecke war grundsätzlich die selbe, mit dem grossen Unterschied bei Checkpoint 3 – der Punkt, an welchem wir damals im grössten Schlamm unsere Feuerstelle errichteten, abkochten und anschliessend erst im ABC BG4, dann im BG2 die letzten 6 Kilometer nach Dübendorf zurückliefen. Bei diesem dritten Kontrollpunkt stiegen wir in die Fahrzeuge ein, wurden in die Kaserne gefahren, konnten dort etwas Trockenes anziehen und anschliessend dort zu Abend essen – inklusive Dessert! Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich wohl auch erst im Sommer in die RS gegangen…
Der Dienstag war dann gemütlich und der Ausgang ausgiebig – jedenfalls für diejenigen, die den Munitionstest bestanden haben. Ich blieb mit 3 meiner Kollegen noch in der Kaserne um mit einigen Rekruten den Test bis zu 5 Mal (!) nachzuschreiben… Am Mittwoch hiess es trotz merklich Restalkohol KD-Schiessen, so dass wir den Morgen in Frauenfeld verbrachten und einige Wachtdienstscheiben bodigten.
In der Kaderausbildung war eine Nachtübung angekündigt, in welcher wir unseren eigenen Abschlussmarsch planten und erkundeten. Da ich diese Woche Gruppenführer war, war ich mit Lagebeurteilung und Zeitplanung gefordert, was aber sehr Spass machte, da wir die Übung von Anfang bis Ende selbstständig organisieren und bestreiten konnten. Und beim Eindunkeln mit einem Puch in der Gegend herumzuirren und durch unwegsames Gelände zu cruisen ist natürlich auch nicht unlustig. ;)
Nachdem alle Resultate vorgestellt waren, hiess es schon wieder Ausgang und dann war auch bereits Freitag. Die Züge wurden umgestellt, die Kaderanwärter verliessen die RS und wir Gruppenführer trafen unsere Fachausbildner wieder einmal und konnten uns den ganzen Tag auf die nächste Woche vorbereiten. Endlich fertig Manipats, Schutzmasken und Druckverbände – jetzt gehts wieder um Cumuli, Troposphären und Ballonsondierungen. :)
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Samstag, 9. August 2008
War schon ein komisches Gefühl, letzten Sonntag einzurücken. Nicht nur, dass nach einem tollen langen Wochenende die Motivation nicht tiefer hätte sein können, nein, man wusste auch, dass alle Kollegen, mit denen man im März angefangen hatte, fertig waren. Ausserdem war der Ausblick auf die zweitägige Schiessübung Difesa und auf einen Nacht-Waffenlauf am Mittwoch nicht besonders aufmunternd.
Allerdings hatte die FULW Schoggi-RS 95-2 einiges mehr Glück mit der Difesa als wir damals – auch wenn es einigen Rekruten gleich ging wie mir und diese beim Herrn Stabsadjutanten antraben mussten. Das Wetter war perfekt, die Verschiebung in bequemen Duros und die Zeitplanung klappte tadellos, so dass sogar Zeit für Schlaf blieb. So war die ganze Übung natürlich auch für uns gemütlich und lief glücklicherweise unfallfrei ab.
Actionreich war dann für uns Kader der Mittwoch Morgen, als wir die Mitteilung erhielten, aufgrund der Zeckenplage müsse für unseren Waffenlauf (der während dem Ausgang stattfinden sollte) eine andere Route gewählt werden und diese sei nun 21 Kilometer lang. Die sonst schon wegen durchhängender Motivation angeschlagene Stimmung schlechterte sich noch mehr, so dass einige Diskussionen ausgelöst wurden, die natürlich perfekt zu unserem Wochenthema Stress und Stressbewältigung passten. Am Mittag kam dann Entwarnung: Der Ausgang wird uns nicht gestrichen, die Info bezüglich Waffenlauf war nur ein Mittel zum Zweck und der geplante 15-Kilometer-Lauf wird ein anderes Mal nachgeholt.
Die Stimmung besserte sich schlagartig, so dass die restlichen Tage der Woche gemütlich und friedlich abliefen – durchzogen von einigen turbulenten aber sehr witzigen Ausgängen. ;) (Weitere Informationen dazu sind aufgrund unserer Vorbildfunktion nicht möglich^^)
Den Abschluss bildete der Blutspende-Freitag, der für Kader sogar noch gemütlicher ist als für die Rekruten. Nun gehts ab ins Wochenende um Kraft zu tanken für die letzte AGA-Woche, die gleich mit der Inspektion starten wird. Da werden wir sehen, ob unsere Arbeit in den letzten 6 Wochen etwas gebracht hat…
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Freitag, 1. August 2008
Hach, wie schön, endlich wieder einmal ein langes Wochenende! Gestern Donnerstag konnten wir – nach einer Viertelstunde im kompletten Ausgänger in der Sonne stehen – wenige Minuten nach Mittag abtreten. Dreieinhalb Tage und drei Nächte – könnte man schon fast Ferien nennen. :)
Zuvor war die Woche von einem eindeutig besseren Klima unter den Kadern und massiv angezogener Führung geprägt. Nach vier Wochen gebundenen Händen konnte und musste nun endlich die fehlende Disziplin durchgesetzt werden. Ob nun 7 Stunden Knigge abschreiben oder eine Disziplin- und Respektförderungsübung für Zug 3 im Ausgang, die “Erziehungsmassnahmen” wurden eindeutig strenger. Was dies für Auswirkungen auf das Verhalten der Rekruten hat, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.
In der Kaderausbildung hiess es für uns am Mittwoch den ganzen Tag SAT-Schiessen. SAT = Sofortaktionstechnik, also das Verhalten, wenn man überraschend Feind… äh, pardon: Gegnerkontakt hat. Mit knapp 15’000 Schuss im Gepäck machten wir uns auf zu unserem Lieblingsschiessplatz in Oberurnen, wo uns wiederum wunderschönes Wetter erwartete. Wir schossen den ganzen Tag und verfeinerten unsere Technik bis pünktlich zur Abendessenzeit ein heftiges Gewitter über uns hereinbrach. Durchnässt verpflegten wir uns, putzen unsere Flinte (die mit 300-500 Schuss pro Person einmal wirklich dreckig war) und sammelten unsere Hülsen auf (!)… Da es wegen dem Regen und mangels Zeit nicht so mit Abendessen klappte, stellten wir ein Gesuch, auf dem Rückweg einen Zwischenstopp im Burger King zu machen, das sogar bewilligt wurde. Wir standen allerdings unter Zeitdruck und orderten deshalb telefonisch im Voraus – leider vermasselte man unsere Bestellung, so dass wir enttäuscht leer ausgingen. Dank unserem super Küchenchef winkte uns in Dübendorf aber neben einem leckeren Dessert noch eine geniale Fleischplatte – an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank dafür! :)
Schönen 1. August!
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Donnerstag, 31. Juli 2008
Anfangs März liess ich meine Haare auf Militärkürze trimmen und nahm mir vor, sie nicht mehr zu schneiden, bis ich Ende Juli entlassen werde. Richtig, Ende Juli – genauer gesagt der 31. oder ganz einfach ausgedrückt: heute! Wäre alles nach Plan verlaufen, hätte ich heute mit meinen Kollegen mein Zeugs packen und im Rollwagen (aka MuSchi) nach Hause schleppen dürfen, wo es eine Weile hätte verstauben können. Die RS wäre vorbei gewesen und ich hätte wieder ein normales Leben führen können – endlich wieder Zeit für mich und keine widersprüchlichen oder sinnlosen Befehle mehr. Aus, Ende, Schluss.
Doch bekanntlich kam alles anders – 21 Wochen sind nun vorbei, 16 folgen noch. Der Countdown beginnt also wieder von vorne und mit ihm spiele ich doch auch das gleiche Spielchen mit meinen Haaren noch einmal. Sobald sie wieder Länge “Wuschel-unkontrollierbar” haben, werde ich Tenü Grün dann auch endlich überstanden haben…

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