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Archiv der Kategorie ‘FULW RS 95-2’



Samstag, 22. November 2008

Überstanden!

Die letzte Woche gestaltete sich, wie bereits erwartet, relativ gemütlich. Am Montag konnte ich mich mit 3 meiner Kameraden gemütlich nach Bern chauffieren lassen, um dort FUM-Prüfungen zu absolvieren. Da unsere Prüfungen über den ganzen Tag verteilt waren, brachen wir morgens um acht auf und kehrten erst 12 Stunden später zurück. Die Prüfung dauerte 30 Minuten, den Rest der Zeit verbrachten wir im Westside. :)
Den Rest der Woche verbrachten wir mit Material zählen, bündeln, putzen und abgeben. Eine nicht besonders anstrengende Arbeit, die viel Freizeit lässt. Zeit zum Feiern. Zeit zum Trinken. Kein Wunder also, als am Dienstag Abend plötzlich die Militärpolizei inkl. Drogenhündchen auf Platz stand und eine Grossrazzia durchführte. Resultat waren einige Anzeigen, die uns aber die Abschlussstimmung nicht vermiesen mochten. Nachdem wir am Freitag den ganzen Tag in der Turnhalle der Kaserne in Dübendorf verbringen mussten und Film um Film schauten, war es dann endlich soweit. Ein letztes Mal in Kolonnenlinien besammeln, eine letzte Achtungsstellung.

“Die FULW RS 95-2 ist hiermit beendet.”

Endlich. Endlich, verdammt! Wir habens geschafft! Plötzlich war es soweit, es war vorbei! Überstanden!

37 Wochen ohne Ferien, ohne grössere Ruhepause. 37 grösstenteils mühsame, sinnlose, chaotische Wochen. 37 Wochen Schweizer Armee. Zeit, Fazit zu ziehen:
“Die RS ist eine Lebensschule” hiess es am ersten Tag. “Sie werden ihre Grenzen kennen lernen – physisch und psychisch”. Damals dachte ich dabei natürlich an die Märsche und andere körperliche Strapazen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass einige Übungen uns zwar körperlich gefordert und einige auch überfordert haben, doch hielten diese Strapazen jeweils nur wenige Stunden an. Die wahre Belastung war für mich eindeutig psychisch. Dieses Gefühl, in einer Spirale der Sinnlosigkeit gefangen zu sein und nicht ausbrechen zu können. Tag für Tag aufzustehen, um nichts Gescheites zu machen. Ein Leben von Wochenende zu Wochenende zu führen. Mich von Menschen herumkommandieren zu lassen, die keine Ahnung haben. Mich auf Dingen ausbilden zu lassen, die ich nie benötigen werde und die im Ernstfall nie und nimmer anwendbar wären. Wir investieren so viel in eine Armee, die in einem Kriegsfall nicht einsatzfähig wäre. Wieso? Das war die grosse Frage in diesen langen Wochen. Wieso?

Nun aber ist es zum Glück vorbei. Und zum Schluss erhielt ich meine Qualifikation. Eine Bestätigung, dass ich vor 30 Wochen Recht hatte und nicht als militärischer Führer tauge und eine Bestätigung, dass die Kaderselektion völlig ungenügend ist. Bewertet wurde ich von unserem Kompaniekommandanten, der mich überhaupt nicht kennt und diese Bewertung wurde vom Herrn Major, der mich noch viel weniger kennt, nochmals in sämtlichen Bereichen herabgesetzt – auf der Grundlage dieser Blogeinträge! In der Schweizer Armee wird also nicht Leistung bewertet sondern gegooglete Informationen. Da verwundert es mich auch nicht, dass Leute in die höheren Führungsschichten aufsteigen, die sich nicht beherrschen können, Soldaten zusammenscheissen, weil sie zurecht auf Sicherheitsvorschriften aufmerksam machen, regelmässig ein Chaos veranstalten und wohl nicht einmal merken, dass sie sich und der ganzen Armee mit solchen Aktionen ein Armutszeugnis ausstellen. Es sind auch genau diese Leute, die meinen, eine unserer Ballonsondierungen sei mit über 500 Franken nicht teuer – und zwar mit dem Argument, dass andere Truppengattungen viel mehr Geld in den Himmel schiessen. Es gibt viel zu viele Leute, die tatsächlich immer noch das Gefühl haben, die Russen stehen allzeitbereit hinter der Grenze und am liebsten noch viel mehr Steuergelder in einen riesigen, ineffizienten und unfähigen Chaosverein stecken möchten.

Würde eine normale Firma derart arbeiten, würde sie im Handumdrehen verschwunden sein. Ich finde es traurig, dass die Schweizer Armee in ihrer heutigen Form überhaupt noch existiert, da dies ein doch sehr ausgedehntes Versagen in unserer Landesführung demonstriert. Mein Bild der Schweiz hat sich jedenfalls in den letzten Wochen sehr verschlechtert – und eine Armee, die seinen Mitgliedern den Nationalstolz nimmt, kanns doch irgendwie auch nicht sein…

Nun denn, nächste Woche kann ich ja erst einmal für einige Zeit aus diesem Land flüchten und anschliessend meine Resozialisierung beginnen. Vielleicht kann ich ja auch meinen Stolz, Schweizer zu sein, wieder etwas aufbauen bevor der nächste WK ansteht…

Donnerstag, 20. November 2008

Endspurt

Samstag, 15. November 2008

Absolut sinnlos

Die Erlösung steht uns unmittelbar bevor! Nur noch eine winzige Woche im Zeichen der Materialrückgabe und wir habens geschafft. Endlich! Damit es aber so weit kommen konnte, mussten wir erst die letzte Woche, die Durchhalteübung, bestehen. Und diese war vor allem eins: absolut sinnlos!

Am Montag gings los mit Vorbereitungen. Wir hatten den ganzen Tag Zeit um das Material bereit zu stellen und unsere Packungen zu erstellen. Einen ganzen Tag? Jawohl, obwohl der Arbeitsaufwand vielleicht gerade mal knappe 2 Stunden betrug. Der Rest des Tages war herumliegen angesagt – absolut sinnlos!
Am Dienstag Morgen war Repetition einiger AGA-Themen angesagt. Wir Gruppenführer mussten also wieder einmal Lektionen halten, die wir bereits einmal hatten, die niemanden interessierten und deren Inhalt 90 % der Kompanie gar nicht mehr anwenden musste – absolut sinnlos!
Am Nachmittag hatten die meisten von uns keine Lektionen mehr und da niemand wusste, was läuft, legten wir uns hin und warteten darauf, geweckt zu werden. Um 17 Uhr wurden wir misstrauisch und erkundigten uns – man hatte die Hälfte der Gruppenführer einfach vergessen! Das zeigt wieder einmal deutlich, wie wichtig doch unsere Funktion ist…
Am Abend startete dann unsere Durchhalteübung FINALE. Die ganze Kompanie verschob nach Oberurnen in eine Lagerhalle für teure spezialbeschichtete Platten, wo wir unser Nachtlager errichteten. Leider war diese Halle nichts anderes als ein Zelt auf schiefem Boden, so dass wir am nächsten Morgen in vollgesogenen Schlafsäcken in einer riesigen Pfütze erwachten. Erkältete und demotivierte AdA waren die Folge dieser absolut sinnlosen Nacht.
Es ging weiter auf den uns Unteroffizieren bestens bekannten Flugplatz Mollis, wo wir einen der Hangare bezogen und jeder Zug sein Dispositiv aufstellte. Der Wetterzug erstellte wieder einmal Wetterbeobachtungen und Höhensondierungen, allerdings konnten diese Daten mangels Leitungen weder an die MeteoSchweiz noch sonst irgendwohin übertragen werden. Wir arbeiteten also umsonst – absolut sinnlos!
Wie nicht anders erwartet, ging man natürlich von einer C-Bedrohung aus, so dass die Bereitschaft ständig erhöht wurde und wir schlussendlich in Schutzmaske herumstanden. Weiter gings dann nach Frauenfeld, wo wir eine Ewigkeit warten mussten, bis wir den Schutzanzug durch den Korporal ausziehen lassen konnten. Allerdings mussten wir ihn anschliessend wieder einsammeln und zurück in den Rucksack verpacken – absolut sinnlos!
Die nächste Nacht verbrachten wir – ohne das jemand auch nur annährend eine Idee hatte, wies weitergehen wird – in irgend einer ungeheizten Halle bevor es dann eine erneute Verschiebung zum Start des Marsches gab. Nach einem Austicker unseres Herrn Major marschierten wir als letzer Zug los und fanden uns nach 30 Kilometern an Platz zwei wieder in Wallisellen. Zur Marschpackung gehörte wieder einmal unser (vergiftete) Schutzanzug, der Helm und was man sonst noch unbenötigt mit sich herumschleppt, um zusätzliches Gewicht auf den wohl unergonomisten Rucksack der Welt auszuüben. Reine Schickane und absolut sinnlos!
Nachdem unser Material dann aber retabliert war, konnten wir alle aufatmen: Die RS ist praktisch vorbei!
Es folge noch eine Übungsbesprechung mit einigen Kommentaren von Major Hackfresse (der meine Nerven seit der Beförderung zum Obergefreiten immer wieder strapaziert), die genau so sinnvoll waren, wie die Übung selbst.
Nach einem genialen Nachtessen wurde die Unterkunft noch zackig geputzt, bevor wir uns endlich schlafen legen und uns ins Wochenende träumen konnten.

Die Durchhalteübung hatte aus meiner Sicht nicht besonders viel mit Durchhalten zu tun. Wir hatten kaum etwas zu tun und mehr als genug Schlaf. Es war höchstens ein Durchhalten im Sinne von nicht kaputt zu gehen ab all der Sinnlosigkeit und all dem Warten, weil wieder einmal blankes Chaos herrschte. Die Übung war aber eine gute Repräsentation der Armee: chaotisch, ineffizient und absolut sinnlos.

Sonntag, 9. November 2008

Surprise

Juhu, das Ende naht! Die drittletzte Woche war das Ende unserer Übung Saeculorum und hiess für uns in erster Linie weiterhin Sondieren. Ohne grössere Besonderheiten jagten wir also Tag für Tag unsere Ballone in den nebelbehangenen Himmel, bis wir am Donnerstag unsere ganze Anlage wieder abbauten und den Standort mit dem guten Essen und den komischen Leuten verliessen.

Ziel war Wallisellen, bereits bestens bekannt durch die nervende Ansagestimme der Züricher S-Bahn, wenn sie die letzte Station vor Dübendorf bekannt gab. Wir quartierten uns, nachdem alles Material versorgt und für die nächste Woche bereitgestellt war, in einer relativ gemütlichen Unterkunft ein – und waren nach 3 Wochen Wetterzug-macht-sein-eigenes-Ding endlich wieder mit unseren Kameraden zusammen.

Nach einer langen Nacht in einem verhältnismässig bequemen Bett war dann auch schon wieder Freitag. Wir hatten nicht wirklich eine Ahnung, was wir an diesem Tag machen sollten, doch munkelte man über eine mysteriöse Übung Surprise, die am Abend stattfinden sollte.
Am Mittag dann die erfreuliche Bekanntgabe: Die Überraschung ist ein vorzeitiges Abtreten um 16:00, soweit bis dann alles in Ordnung ist. Wir gaben Vollgas, so dass wir mit einer kleinen Verspätung ins verlängerte Wochenende gehen konnten.

Nun steht nur noch die sagenumwogene DHU (Durchhalteübung) und eine langweilige WEMA-Woche an. Bald, bald haben wirs geschafft, ich kanns kaum noch erwarten! :)

Dienstag, 4. November 2008

Liebe Mobiliar…

Das böse Militär verursacht wieder einmal nur Schaden.. Ölflecken, verlorene Schlüssel oder Autokratzer. Kann ja mal passieren, hauptsache über alles wird Protokoll geführt – inklusive Schadenskizze!

Samstag, 1. November 2008

Saeculorum

“Die Schweizer Armee ist eine miserabel organisierte Pfadi für Erwachsene!”

Normalerweise halte ich ja nicht besonders viel von den Hetzkampagnien unseres Nationalboulevardblatts, aber was momentan an der Armee genörgelt wird, ist aus meiner Sicht völlig gerechtfertigt. Natürlich bin ich da momentan alles andere als objektiv, da ich diesen Chaosverein am eigenen Leib erfahren muss, dafür kann ich aber von vorderster Front über diese Schlagzeilen urteilen.

Meinen Bericht der letzten beiden Wochen muss ich gleich mit schlechter Organisation beginnen: So musste Dienstag voriger Woche doch die ganze Kompanie um vier Uhr Morgens aufstehen, damit wir anschliessend 45 Minuten warten und herumsitzen durften! So startete unsere Übung Saeculorum, in der wir dann mit Sack und Pack nach Kreuzlingen an den Bodensee verschoben. Dort wurde unsere ganze Anlage aufgestellt und in gemütlichen 9-Stunden-Schichten Sonden in den Himmel gejagt. Da der Tag quasi nur noch aus Essen, Arbeiten und Schlafen bestand, verlor man schnell einmal das Zeitgefühl und grüsste frisch aus dem Bett gekrochen verdutzte Passanten um 17 Uhr mit einem freundlichen “Guten Morgen”. Am Donnerstag folgte dann der erste Alarm: Das Stromnetz ist instabil, die Anlage muss 12 Stunden ab Notstromaggregat betrieben werden. Gesagt, getan, unser Peiler wurde ab 440 kg lärmendem Metall betrieben – und zwar ganze 20 Minuten bis der Motor einige Aussetzer hatte und unsere Anlage durch Spannungsschwankungen flach legte. Durchgebratene Trafoplatte, Reperatur durch die RUAG - so das herrlich klingende Urteil.

Von besagter Firma liess sich am Freitag niemand blicken und unser Arbeitspensum blieb weiterhin auf ca. 20 %. Diejenigen, die ins Wochenende durften, schickte man etwas früher nach Hause und ich blieb mit meinen 7 Leuten auf der defekten Station zurück. Ein Wochenende praktisch ohne Arbeit, am See, mit Restaurant und Einkaufszentrum in unmittelbarer Nähe – was will man mehr? ;)
Wir genossen unser “Dienst”wochenende und als am Sonntag die anderen wieder einrückten, verdrückten wir uns in den Ausgang, wo wir die Dorfchilbi unsicher machten – und leider ohne KP-Kuh, dafür mit genügend Waffen und Alkohol im Blut zurückkehrten.

Am Montag Nachmittag wurde unsere Anlage wieder repariert und am Abend stand eine kleine Überraschung an. Wir fuhren – mit einem kleinen Stopp in Dübendorf, wo die frisch eingerückten Rekruten (noch) in zivil die ersten militärischen Ausbildungen “geniessen” durften :D – nach Oerlikon zur Meteoschweiz, wo wir einen mehr oder weniger spannenden Vortrag geniessen durften. Am frühen Dienstagmorgen gings dann wieder los: Die Stromprobleme hätten Grossbrände verursacht, der Standort ist nicht mehr sicher, eine Chemiefabrik steht in Flammen, blablabla… ABC Bereitschaftsgrad 2 war angesagt. Dazu wäre eine Verschiebung des Standorts unumgänglich, so dass wir am Dienstag bei Regen und Kälte die gesamte Anlage abbauten. Im selben Scheisswetter bauten wir auf irgendeinem Schiessplatz wieder auf, um eine “Notsondierung” durchführen zu können. Dieser Standort musste ausserdem rund um die Uhr bewacht werden, was einige Beobachtungsposten voraussetzt. Eine völlig sinnlose Aufbauaktion im C-Schutzanzug bei hässlichstem Wetter nach einer fast schlaflosen Nacht – da stellt sich auch mal das Kader gegen die Übungsleitung…

Nach einer zweiten fast schlaflosen Nacht durfte man das ganze Dispositiv wieder abbauen und in immer noch nicht besserem Wetter am neuen Standort nochmals aufbauen. Als dieses dann endlich stand, konnten wir am späteren Mittwoch Nachmittag wieder in den Normalbetrieb übergehen. Unser neuer Standort befindet sich in einem Kaff namens Waldkirch in einem Heim für ehemalige Drogenabhängige – dementsprechend trifft man dort iiinteressante Leute an, die einen sehr gerne vollquaseln. ;)

Am Donnerstag stand die letzte Inspektion an, in der wir zeigen konnten, dass wir keine Ahnung mehr haben, was wir in der AGA gelernt hatten, dafür unser Handwerk der Ballonsondierungen tiptop beherrschen. Da nach der Inspektion Ausgang anstand und anschliessend wieder meine Gruppe Schicht hatte, folgte eine weitere schlaflose und von Halloweengeistern manipulierte Nacht, bis ich dann mit zusammengerechnet 12 Stunden Schlaf in 5 Nächten endlich ins Wochenende durfte. :) Noch 20 Tage! Herrlich, wenn man daran denkt, dass andere jetzt noch 20 Wochen schweinekalte Wochen vor sich haben… ;P

Montag, 27. Oktober 2008

Viel Spass

Das Detachement noch-4-Wochen wünscht den heute frisch eingerückten Rekruten viiiiel Spass! :P

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