Archiv der Kategorie ‘Militär’
Samstag, 7. Februar 2009
Sonntag, früher Morgen, wir verladen unser Material. Einige Kisten hier, einige Kisten dort, drei Fahrräder, vier… Moment, drei Fahrräder? Hatten wir nicht mal vier? Die Konsultation einiger Listen bestätigte unsere Befürchtung, eine unserer eingängigen Rostlauben fehlte. Gestohlen. Wir sahen bereits, wie sich die Gewitterwolken zusammenbrauten. Normalerweise wäre es ja kein Problem, wenn ein Drahtesel mit Jahrgang zwischen 1950 und 1960 und höchstens Sammlerwert wegkommt. Pech gehabt, Versicherungsfall. Aber nicht etwa im Militär! Suchen bis gefunden war die Devise, die natürlich erfolglos ausging und uns einige Zeit kostete. Irgendwann schafften wir es dann aber doch nach Aarburg in den Bunker zurück.
Und es kam wie befürchtet. Kaum war unser Sondierzug wieder im Bunker in Aarburg eingezogen, wurden wir sogleich zur Wache verdonnert. Der zuständige Wachtzug genoss irgendeine Ausbildung und wir mussten ihre Aufgabe übernehmen. Eine langweilige und unsinnige Aufgabe. Die Zutrittskontrolle, die überprüft, wer ein und aus geht und für den Fall einer Evakuation eine Liste mit Personen führt, die sich innerhalb der Anlage aufhalten, sehe ich ja noch ein. Wenn es dann aber darum geht, tagsüber (und nur tagsüber) einen Parkplatz mit jeweils zwei übermüdeten Soldaten mit Waffen und scharfer Munition zu “bewachen”, der sich ausserdem neben einem Primarschulhaus befindet, habe ich Mühe.
Mein Posten als Wachtkommandant untertraf nochmals sämtliche Anforderungen der übrigen Wachtposten – ich hatte 18 Stunden am Stück praktisch nichts zu tun, musste mich aber möglichst immer im Wachtlokal aufhalten. Lange Schichten, in denen man sich beschäftigen muss und anschliessende verschlafene Tage führen schon mal dazu, dass man 48 Stunden kein Tageslicht sieht.
Immerhin habe ich mich in dieser Zeit neben Filmen, Serien, Zeitungen und Büchern auch dem Design dieser Seite gewidmet und dieses komplett überarbeitet. blackfrog wird in Kürze etwas dunkler und in Grün daherkommen – man darf gespannt sein. ;)
Am Mittwoch kam dann ein Befehl, den ich erst für einen militärisch berechneten Aprilscherz hielt. Das fehlende Fahrrad musste nochmals gesucht werden! Für eine höchstens fünfprozentige Chance, das kaum noch einen Wert habende Stahlpony zu finden, mussten drei Leute nochmals vom Aargau bis ans unterste Spitzlein Tessin fahren und dort einige Stunden herumkurven. Liebe “Führungspersonen”, es gibt so etwas wie eine Kosten-Nutzen-Analyse und die Armee verfügt über Umweltgrundsätze…
Irgendwann wurde es dann aber auch Donnerstag, wo uns nach der Materialrückgabe eine kleine Überraschung erwartete. Als kleine Abschlussschulreise in Grün gings nach Kloten in die Rega-Basis, wo wir von unserem Kameraden, der seine letzten WK-Tage soeben geleistet hatte, durch seinen Arbeitsplatz geführt wurden. Bald darauf wurde es Freitag, wo wir bei der Abgabe des Restmaterials immerhin noch etwas Vernunft erfuhren. Man verrechnete uns das fehlende Velo für plausible 150 statt dem stolzen Etatpreis von 923 Franken. Nach einigem Warten war mein erster WK vorbei und wir wurden wieder in die Freiheit entlassen. :)
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Samstag, 31. Januar 2009
Es ist wieder Wochenende, obwohl ich gerade nicht besonders viel davon merke. Ich sitze nämlich immer noch (bzw. wieder, da mein “Wochenende” von Mittwoch bis Freitag dauerte) im Tessin auf unserer halbwegs funktionierenden Sondierstation. Nach einer langen Zugfahrt am Sonntag Abend wurden uns am Montag tatsächlich einige Leute abgezogen. Dafür wurden uns aber acht Nachrichteler zur Verfügung gestellt, welche die Wache übernahmen. Das war für mich natürlich gleich doppelt positiv, da wir zum einen diese unangenehme Aufgabe abschieben konnten und zum anderen dieses Detachement durch Kamerad Widmer geleitet wird – die nur im Militär auftretende Kaffeesucht zu zweit zu stillen macht eben einfach mehr Spass. ;)
Ansonsten verlief der Alltag hier gemütlich, auch wenn unsere Arbeit nicht besonders sinnvoll ist. Die Übermittlung des kompletten Datensatzes war wegen eines (seit Jahren bekannten jedoch niemals behobenen) technischen Defekts nicht möglich und das Faxen unserer Resultate wurde durch eine verkrustete Tintenpatrone, die so alt war, dass man im Fachhandel keinen Ersatz bekam, verunmöglicht. Später war auf unserem Rechner nur noch “o o o o o” sichtbar; ein Zeichen, dass man uns die Leitung abgeschaltet hatte. Die Begründung: Das System sei überlastet und man musste einige unwichtige Dienste rausschmeissen.
Die Woche ging aber – sicherlich auch wegen meines zentralen Urlaubs – sehr schnell vorbei, so dass wir morgen bereits wieder abbauen und zurück nach Aarburg verschieben werden. Dort sollen wir allerdings scheinbar für den Rest der Woche Wache schieben – nicht wirklich erfreuliche Neuigkeiten.
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Sonntag, 25. Januar 2009
Als ich gestern nach Hause kam, erwartete mich bereits ein verdächtig militärisch aussehendes Couvert. Es beinhaltete das Reglement 55.066 – Artilleriewetterdienst; ohne Begleitbrief, ohne Notiz. Danke schön lieber Staat, aber was genau soll ich jetzt damit?
Das Reglement beschreibt die Auswirkungen des Wetters auf die Geschossballistik, die ich höchstens aus dem Physikunterricht kenne und die Handhabung des “neuen” Peilers, den ich noch nie zu Gesicht bekommen habe. Naja, jemand hat entschieden, dass ich das Büchlein brauche, also werde ichs wohl auch benötigen…
Genau solche Entscheide haben auch meine zweite WK-Woche geprägt. Diese fing erst einmal mit einem ganzen Tag Herumliegen an, während die Soldaten einrückten und sich einrichteten. Am Abend watschelten dann tatsächlich beide Kompanien – mit Helm und Gewehr ausgerüstet – in 8er-Kollonnen über einen knöcheltief matschigen Fussballplatz, um sauber aufgereiht im Regen einem Major zuzuhören, der uns bestärken wollte, unsere Leistungsbezüger so zufrieden zu stellen, dass sie strahlen werden wie die Sonne auf unserem Badge…
Anschliessend übernahmen wir zur Nationalhymne aus einem Autoradio einen alten Lumpen mit Schweizerkreuz die Standarte, bevor wir uns zurück zur Unterkunft begaben.
Da am Dienstag das Schiessen angesagt war, welches wir Wachtmeister bereits letzte Woche über uns ergehen lassen durften, hatten wir wieder nichts zu tun und wurden zur Wache verdonnert.
Am Mittwoch dann der spannende Test: Funktioniert unsere Anlage dieses Mal? Zu meiner Überraschung funktionierte fast alles und wir konnten problemlos eine Sondierung starten. So brachen wir am Tag darauf ins Tessin auf, wo wir die Anlage an ihrem Einsatzort aufstellten. Natürlich funktionierte plötzlich ein Rechner nicht mehr, wäre sonst ja auch seltsam gewesen. Wortwörtlich eine Mücke aus einem Elefanten machte dann aber unsere Führung: die komplette 7.5-Tonnen-Anlage sollte wegen dieses defekten und nicht einsatzrelevanten Computers ersetzt werden – obwohl weder sicher war, dass der andere Peiler funktionieren würde noch der Transport ins Tessin auch nur annähernd mit den heiligen Umweltschutzgrundsätzen unserer Armee vereinbar wäre. Als unseren Vorgesetzten endlich klar gemacht werden konnte, dass sie wegen eines defekten Reifens doch auch nicht ihr ganzes Auto tauschen, war der neue Lastwagen natürlich bereits im Tessin. Immerhin haben wir nun ein Ersatzteillager.
Irgendwann lief das Ganze dann aber und wir konnten mit einem Minimum an Leuten einige Ballone steigen lassen, bevor wir die Woche mit einem Pizzaessen ausklingen liessen. Noch eine kurze Nacht dank KP-Wache und schon war für mich WK-Halbzeit. Am frühen Morgen brachen wir los, um die lange Heimfahrt anzutreten. Allerdings nicht in Ruhe, wurde uns doch per Telefon mitgeteilt, dass wir am Montag trotz Personalmangel noch mehr Leute abgeben müssten, weil sie – natürlich ausgerechnet während dem Einsatz und nicht etwa dann, wenn sie nicht dringend benötigt werden – einen Kurs belegen sollen…
Muss ich das Wort Chaosarmee noch in den Mund nehmen?

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Dienstag, 20. Januar 2009
Was macht eigentlich ein Wachtmeister im WK? Nun ja, wenn er nicht gerade den ganzen Tag herumliegt, sitzt er auch mal 2 Stunden neben einem Telefon, bewacht 3 Stunden einen Eingang oder steht 4 Stunden auf einem Parkplatz. Aber auch, wenn ein Tag so ausschaut, die Zeit bringen wir trotzdem irgendwie rum – sei es auch mit sinnlosen Blogeinträgen. Yes we can!

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Freitag, 16. Januar 2009
Nun habe ich also auch schon den ersten Teil meines ersten WKs, den KVK, überstanden. Die Woche lässt sich relativ schnell zusammenfassen:
Tag 1: Einrücken in Aarburg, wir lernen unseren Kompaniekommandanten kennen. Es ist der älteste Kadi der Schweizer Armee, ehemaliger Infanterist, Tenüinspektor und Beingummifetischist – eine echte Sympathiebombe, wie man sich vorstellen kann. ;) Ausserdem Information: Ich werde in einem Sondierzug am äussersten Zipfel des Tessins Ballone in die Luft jagen – juhu…
Tag 2: Unser gute und vor allem alte Peiler musste in Seewen (Schwyz) abgeholt werden, also machten wir uns dorthin auf den Weg. Der P-760 war dann aber plötzlich nicht in Seewen, sondern in Hinwil. Nach einigen Begegnungen mit wie immer auf ihre Art freundlichen Mitarbeitern des Zeughauses Logistikcenters und dem ohrenbetäubenden Zurücktuckern mit unserem 40 Jahre alten Gefährt war die 270 Kilometer lange Reise durch die Schweiz und damit auch der Tag beendet.
Tag 3: Schiessen war angesagt! Den ganzen Tag standen wir bei Minustemperaturen in der KD-Box und wehrten uns gegen böse Scheiben. Diese Wachtdienstausbildung war für mich natürlich nichts Neues, dafür konnte man die Flinte danach wieder mal schrubben. Abgerundet wurde dieser knallige Tag durch ein feines Fondueessen, hmm!
Tag 4: Restliche Arbeitsvorbereitung, wo es für mich nicht viel vorzubereiten gab und einige sehr, sehr langweilige Theorien hielten uns auf, bevor wir um etwas nach 18 Uhr ins Wochenende konnten. Es geht doch nichts über einen kleinen Spurt zum Bahnhof, um eine Woche ausklingen zu lassen.
Fazit: Ich habe mich natürlich über die etwas andere Grundstimmung gefreut; man macht seinen Job seriös und dann kann man alles rundherum auch etwas lockerer nehmen. So ists richtig. Trotzdem hätte diese Woche gerade so gut ohne mich stattfinden können, geleistet oder gelernt habe ich nämlich nicht wirklich viel.
PS: Natürlich freue ich mich immer noch über kleine oder grössere Nachrichten von der Aussenwelt. ;) Meine Adresse bis zum 06. Februar:
Wm Sascha Hähni
Wet Kp 73
Militär 86213
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Montag, 12. Januar 2009
Morgen ist es also so weit… Einrücken in den WK ist angesagt!
In diesem Sinne:
Du hocksch im Dräck, früürsch ade Ohre. Vrsteckt im Gstrüp u nass wine mohre. Näbe dir dis Gwehr u wieder furt isch är, du tröimsch vo deheime, aues faut dir schwär.
Nach langem Warte geits de los, dr Fiind isch gsichtet – grandios! Action pur, du gisch aus was de hesch; Übung halt, itz nomau id Büsch.
Itz ghörsch du o drzue; i neue Chleider u schwäre Schue; losisch däm da vore zue, winer öppis vrzeut.
(Scream – Spiel)

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Samstag, 22. November 2008
Die letzte Woche gestaltete sich, wie bereits erwartet, relativ gemütlich. Am Montag konnte ich mich mit 3 meiner Kameraden gemütlich nach Bern chauffieren lassen, um dort FUM-Prüfungen zu absolvieren. Da unsere Prüfungen über den ganzen Tag verteilt waren, brachen wir morgens um acht auf und kehrten erst 12 Stunden später zurück. Die Prüfung dauerte 30 Minuten, den Rest der Zeit verbrachten wir im Westside. :) Den Rest der Woche verbrachten wir mit Material zählen, bündeln, putzen und abgeben. Eine nicht besonders anstrengende Arbeit, die viel Freizeit lässt. Zeit zum Feiern. Zeit zum Trinken. Kein Wunder also, als am Dienstag Abend plötzlich die Militärpolizei inkl. Drogenhündchen auf Platz stand und eine Grossrazzia durchführte. Resultat waren einige Anzeigen, die uns aber die Abschlussstimmung nicht vermiesen mochten. Nachdem wir am Freitag den ganzen Tag in der Turnhalle der Kaserne in Dübendorf verbringen mussten und Film um Film schauten, war es dann endlich soweit. Ein letztes Mal in Kolonnenlinien besammeln, eine letzte Achtungsstellung.
“Die FULW RS 95-2 ist hiermit beendet.”
Endlich. Endlich, verdammt! Wir habens geschafft! Plötzlich war es soweit, es war vorbei! Überstanden!
37 Wochen ohne Ferien, ohne grössere Ruhepause. 37 grösstenteils mühsame, sinnlose, chaotische Wochen. 37 Wochen Schweizer Armee. Zeit, Fazit zu ziehen: “Die RS ist eine Lebensschule” hiess es am ersten Tag. “Sie werden ihre Grenzen kennen lernen – physisch und psychisch”. Damals dachte ich dabei natürlich an die Märsche und andere körperliche Strapazen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass einige Übungen uns zwar körperlich gefordert und einige auch überfordert haben, doch hielten diese Strapazen jeweils nur wenige Stunden an. Die wahre Belastung war für mich eindeutig psychisch. Dieses Gefühl, in einer Spirale der Sinnlosigkeit gefangen zu sein und nicht ausbrechen zu können. Tag für Tag aufzustehen, um nichts Gescheites zu machen. Ein Leben von Wochenende zu Wochenende zu führen. Mich von Menschen herumkommandieren zu lassen, die keine Ahnung haben. Mich auf Dingen ausbilden zu lassen, die ich nie benötigen werde und die im Ernstfall nie und nimmer anwendbar wären. Wir investieren so viel in eine Armee, die in einem Kriegsfall nicht einsatzfähig wäre. Wieso? Das war die grosse Frage in diesen langen Wochen. Wieso?
Nun aber ist es zum Glück vorbei. Und zum Schluss erhielt ich meine Qualifikation. Eine Bestätigung, dass ich vor 30 Wochen Recht hatte und nicht als militärischer Führer tauge und eine Bestätigung, dass die Kaderselektion völlig ungenügend ist. Bewertet wurde ich von unserem Kompaniekommandanten, der mich überhaupt nicht kennt und diese Bewertung wurde vom Herrn Major, der mich noch viel weniger kennt, nochmals in sämtlichen Bereichen herabgesetzt – auf der Grundlage dieser Blogeinträge! In der Schweizer Armee wird also nicht Leistung bewertet sondern gegooglete Informationen. Da verwundert es mich auch nicht, dass Leute in die höheren Führungsschichten aufsteigen, die sich nicht beherrschen können, Soldaten zusammenscheissen, weil sie zurecht auf Sicherheitsvorschriften aufmerksam machen, regelmässig ein Chaos veranstalten und wohl nicht einmal merken, dass sie sich und der ganzen Armee mit solchen Aktionen ein Armutszeugnis ausstellen. Es sind auch genau diese Leute, die meinen, eine unserer Ballonsondierungen sei mit über 500 Franken nicht teuer – und zwar mit dem Argument, dass andere Truppengattungen viel mehr Geld in den Himmel schiessen. Es gibt viel zu viele Leute, die tatsächlich immer noch das Gefühl haben, die Russen stehen allzeitbereit hinter der Grenze und am liebsten noch viel mehr Steuergelder in einen riesigen, ineffizienten und unfähigen Chaosverein stecken möchten.
Würde eine normale Firma derart arbeiten, würde sie im Handumdrehen verschwunden sein. Ich finde es traurig, dass die Schweizer Armee in ihrer heutigen Form überhaupt noch existiert, da dies ein doch sehr ausgedehntes Versagen in unserer Landesführung demonstriert. Mein Bild der Schweiz hat sich jedenfalls in den letzten Wochen sehr verschlechtert – und eine Armee, die seinen Mitgliedern den Nationalstolz nimmt, kanns doch irgendwie auch nicht sein…
Nun denn, nächste Woche kann ich ja erst einmal für einige Zeit aus diesem Land flüchten und anschliessend meine Resozialisierung beginnen. Vielleicht kann ich ja auch meinen Stolz, Schweizer zu sein, wieder etwas aufbauen bevor der nächste WK ansteht…

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