Nun ist morgen also bereits der zweite Advent; unglaublich. Die Vorweihnachtszeit ist natürlich auch im dunklen Schweden die Zeit der Lämpchen und Lichter, auch wenn diese hier eher elektronisch als “lebendig” sind. So finden sich nun in sehr vielen Fenstern pyramidenförmige “Adventskränze” und auch ansonsten erfreut man sich der exzessiven Weihnachtsdekoration. Und natürlich ist nun auch die Zeit der Weihnachtsmärkte, des Glühweins (hier Glögg – natürlich typisch schwedisch etwas (sehr) süsser als bei uns) und der Backwaren (bzw. einige zusätzliche Süssigkeiten zu den üblichen Massen). Allerdings scheinen die Schweden etwas bescheidener zu sein was meine Lieblingsmärkte angeht. So war der Julmarknad in Jönköping vergangene Woche eher ein Sonntagsverkauf denn ein Weihnachtsmarkt. Zwar gab es einige Bühnen mit Weihnachtsmusik doch waren die Stände wohl gut an beiden Händen abzählbar. Ok, wahrscheinlich lag es auch etwas am Wetter, da letztes Wochenende ein Sturm mit Orkanböen über Schweden hinwegfegte und keine Gnade mit den Verkäufern zeigte.
Am Montag fand im Studentencafé eine “Open-Mic Night” statt, was ich eine interessante Idee fand. Wer wollte durfte sich das Mikrofon schnappen und etwas performen – was überraschenderweise gar nicht so wenige taten. Auch wenn das Gesangstalent oder die Komikergene zum Teil nicht wirklich erkennbar waren, schienen sich die Leutchens auf der Bühne wohl zu fühlen. Und dem Publikum machts Spass. Ob das in der Schweiz auch funktionieren würde?
Dienstagabends wurde uns dann wieder einmal etwas schwedisches Organisationstalent vorgeführt. Während wir gemütlich eine leckere Lasagne am zubereiten waren, bemerkten wir plötzlich, wie vor dem Wohnblock alles unter Wasser stand – Rohrbruch. Trotz der fortgeschrittener Stunde standen innert kürzerster Zeit sämtliche notwendigen Baumaschinen auf dem Platz und boten uns eine kleine Show direkt vor unserem Balkon. *g* Und vier Stunden später floss auch wieder Wasser aus unseren Leitungen.
Immer noch guter Hoffnung auf einen richtigen Weihnachtsmarkt machte ich mich am Mittwoch wieder einmal in Richtung Göteborg auf, wo im Vergnügungspark Liseberg nun ebenfalls Weihnachten gefeiert wird. Dort traf ich Jeanine, die sich spontan entschlossen hatte, ihre Ferien für einen Trip durch Skandinavien zu nutzen. :) Der von meiner Schwedischlehrerin gelobte Weihnachtsmarkt toppte zwar die bisher gesehenen, liess aber dennoch etwas zu wünschen übrig. Scheinbar muss ich meine Erwartungen etwas herunterschrauben. Dank (seeehr) vielen Lichtern, etwas Schneedekoration, Musik und Eisshow kam aber immerhin zum ersten Mal etwas Weihnachtsstimmung auf, was bisher doch etwas fehlte. Ist auch schwer mit Temperaturen, die sich immer noch markant über dem Gefrierpunkt bewegen und sämtliche Hoffnungen auf etwas Schnee im Keim ersticken. Am Abend fuhren wir gemeinsam und mit einer gewonnenen überdimensionalen Zweikilopackung Toblerone zurück nach Jönköping.
Bei einer kleinen Stadtführung am Donnerstag führten wir uns auch das in Wikipedia als einzige “Attraktion” in Jönköping erwähnte Zündholzmuseum zu Gemüte. Und überraschenderweise war dieses gar nicht so schlecht. *g* Ansonsten genossen wir etwas das gemütliche Leben im Schwedenwinter bei Fika-Pausen und einem witzigen Abend mit meinen Mitbewohnern. :)



