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Archiv vom Dezember 2011



Montag, 19. Dezember 2011

Slut

Vom Schnee mussten wir in der Zwischenzeit bereits wieder Abschied nehmen; genau wie es auch gegenüber einigen meiner Mitstudenten bereits Abschied nehmen hiess. Ein seltsames Gefühl, wenn die Leute, mit denen man in den letzten vier Monaten gelebt, gefeiert, erlebt und studiert hat, plötzlich weg sind. Und täglich werden es mehr, die man ein vermutlich letztes Mal sieht. Ja, das Semester ist vorbei. Heute habe ich meine letzte Prüfung geschrieben und die nächsten Tage werden Tage des Abschieds und des Abschliessens werden. Ich bin aber froh, bleibe ich noch knapp drei weitere Wochen hier in Schweden, so dass ich mich gerade noch nicht mit dem Heimkehren beschäftigen muss.

Letzte Woche war der 13. Dezember, an dem in Schweden die heilige Lucia gefeiert wird. Das aus Italien importierte Lichtermädchen ist eine weitere Schwedische Tradition, die etwas Licht und Wärme in die dunkle und (normalerweise..) kalte Adventszeit bringt. Während es bei uns Miss-Wahlen gibt, wird in Schweden alljährlich die Lucia jeder Stadt, Schule, etc. gewählt. Die Glückliche darf dann mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf ihren aus Sternsängerinnen, Lebkuchenmännchen und anderen witzigen Gestalten bestehenden Luciazug anführen und den Mittelpunkt der Luciafeier bilden. Ein Brauch voller Kerzen und Gesang, der allerdings an unserer Schule zur unmenschlichen Zeit von 07:30 gefeiert wurde.

Ansonsten standen letzte Woche vor allem einige offizielle und inoffizielle Good-Bye-Dinners an und zwischendurch lernte man natürlich auch noch etwas für die Prüfung. Auch wenn sich die Vorlesung in ihrer Schwierigkeit aus meiner Sicht kein Bisschen gesteigert hat.

Allen, die hier mitlesen, wünsche ich eine schöne Weihnachtszeit und auch schon einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr – ich weiss nicht, ob ich hier vor unserem abschliessenden Trip in den Norden nochmals zum Schreiben komme. :)

Freitag, 9. Dezember 2011

Snöööö

Am Montag war es endlich so weit: Nach dem Aufwachen war alles von einer weissen Schicht bedeckt. Einer dünnen und nicht allzu trockenen Schicht zwar, aber immerhin endlich etwas Schnee. :) Auch wenn die Temperaturen immer noch weit über dem Durchschnittt liegen und das Weiss bereits wieder fortgeregnet wird, darf ich nun doch immerhin wieder hoffen, noch etwas schwedischen Winter mitzubekommen.

Ansonsten herrscht in Jönköping langsam aber sicher Abschlussstimmung. Am Dienstag sass ich in meiner letzten Vorlesung hier, am Mittwuch öffnete “Aka”, unser Studiclub, ein letztes Mal seine Pforten und gestern schloss ich meinen Schwedischkurs nach einer mündlichen Präsentation auch noch mit der Prüfung ab. In einigen Minuten werde ich ein letztes Mal zu einer Übungsstunde in die Schule fahren und dann ist das Semester vorbei. Die Prüfungssession wird für mich aus sage und schreibe einer Prüfung bestehen, für die ich 10 Tage zum lernen Zeit habe. Werden also noch gemütliche letzte Wochen. Und dann heisst es natürlich noch etwas Reise planen, schliesslich will ich meinen Aufenthalt hier nach den Examen noch etwas gebührender abschliessen, bevor es zurück in die Schweiz geht. :) Da wir hier übrigens so gut umsorgt werden, haben wir auch schon ein Infoblatt mit Tipps “How to prepare yourself to return home” erhalten. ^^

Nach geschriebener Schwedischprüfung gönnten wir uns gestern noch etwas typisch schwedisches: ein Julbord. Dieser wörtlich übersetzte Weihnachtstisch ist ein Buffet à discrétion mit allem, was man in Schweden so zur Weihnachtszeit isst. Und dies ist insbesondere Fisch, Fleisch, Fisch, Fleisch und Fleisch mit leckerem Senf dazu und feinem Dessert danach. Auch wenn wir aus Budgetgründen auf die IKEA-Variante ausgewichen sind, war dieses gar nicht so schlecht. Gegen unser Fondue chinoise möchte ich es aber trotzdem nicht eintauschen. :)

Samstag, 3. Dezember 2011

Glögg och Pepparkakor

Nun ist morgen also bereits der zweite Advent; unglaublich. Die Vorweihnachtszeit ist natürlich auch im dunklen Schweden die Zeit der Lämpchen und Lichter, auch wenn diese hier eher elektronisch als “lebendig” sind. So finden sich nun in sehr vielen Fenstern pyramidenförmige “Adventskränze” und auch ansonsten erfreut man sich der exzessiven Weihnachtsdekoration. Und natürlich ist nun auch die Zeit der Weihnachtsmärkte, des Glühweins (hier Glögg – natürlich typisch schwedisch etwas (sehr) süsser als bei uns) und der Backwaren (bzw. einige zusätzliche Süssigkeiten zu den üblichen Massen). Allerdings scheinen die Schweden etwas bescheidener zu sein was meine Lieblingsmärkte angeht. So war der Julmarknad in Jönköping vergangene Woche eher ein Sonntagsverkauf denn ein Weihnachtsmarkt. Zwar gab es einige Bühnen mit Weihnachtsmusik doch waren die Stände wohl gut an beiden Händen abzählbar. Ok, wahrscheinlich lag es auch etwas am Wetter, da letztes Wochenende ein Sturm mit Orkanböen über Schweden hinwegfegte und keine Gnade mit den Verkäufern zeigte.

Am Montag fand im Studentencafé eine “Open-Mic Night” statt, was ich eine interessante Idee fand. Wer wollte durfte sich das Mikrofon schnappen und etwas performen – was überraschenderweise gar nicht so wenige taten. Auch wenn das Gesangstalent oder die Komikergene zum Teil nicht wirklich erkennbar waren, schienen sich die Leutchens auf der Bühne wohl zu fühlen. Und dem Publikum machts Spass. Ob das in der Schweiz auch funktionieren würde?

Dienstagabends wurde uns dann wieder einmal etwas schwedisches Organisationstalent vorgeführt. Während wir gemütlich eine leckere Lasagne am zubereiten waren, bemerkten wir plötzlich, wie vor dem Wohnblock alles unter Wasser stand – Rohrbruch. Trotz der fortgeschrittener Stunde standen innert kürzerster Zeit sämtliche notwendigen Baumaschinen auf dem Platz und boten uns eine kleine Show direkt vor unserem Balkon. *g* Und vier Stunden später floss auch wieder Wasser aus unseren Leitungen.

Immer noch guter Hoffnung auf einen richtigen Weihnachtsmarkt machte ich mich am Mittwoch wieder einmal in Richtung Göteborg auf, wo im Vergnügungspark Liseberg nun ebenfalls Weihnachten gefeiert wird. Dort traf ich Jeanine, die sich spontan entschlossen hatte, ihre Ferien für einen Trip durch Skandinavien zu nutzen. :) Der von meiner Schwedischlehrerin gelobte Weihnachtsmarkt toppte zwar die bisher gesehenen, liess aber dennoch etwas zu wünschen übrig. Scheinbar muss ich meine Erwartungen etwas herunterschrauben. Dank (seeehr) vielen Lichtern, etwas Schneedekoration, Musik und Eisshow kam aber immerhin zum ersten Mal etwas Weihnachtsstimmung auf, was bisher doch etwas fehlte. Ist auch schwer mit Temperaturen, die sich immer noch markant über dem Gefrierpunkt bewegen und sämtliche Hoffnungen auf etwas Schnee im Keim ersticken. Am Abend fuhren wir gemeinsam und mit einer gewonnenen überdimensionalen Zweikilopackung Toblerone zurück nach Jönköping.

Bei einer kleinen Stadtführung am Donnerstag führten wir uns auch das in Wikipedia als einzige “Attraktion” in Jönköping erwähnte Zündholzmuseum zu Gemüte. Und überraschenderweise war dieses gar nicht so schlecht. *g* Ansonsten genossen wir etwas das gemütliche Leben im Schwedenwinter bei Fika-Pausen und einem witzigen Abend mit meinen Mitbewohnern. :)

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