Erste Vorlesung Mikroökonomie, eine Übungsaufgabe: “Berechnen Sie mit ihrem Nachbarn, ob sich unter diesen Bedingungen eine Reise nach London lohnen würde.” Für die Dame im Beispiel nicht aber – hm – für meine Kollegin Sarah und mich eigentlich schon. So entstehen spontane Ideen, womit man die überraschend frei gewordenen nächsten fünf Tage verbringen könnte. :) Während der Rest im Hörsaal Grundlagen von Grundlagen repetierte, durchsuchten wir also das Internet, ob unsere Spontanaktion umsetzbar ist. Leider mussten wir feststellen, dass in London jedes einigermassen erschwingliche Bett bereits hoffnungslos ausgebucht war. Davon liessen wir uns von unserer erweckten Reiselust natürlich nicht abbringen und machten uns auf die Suche nach Alternativen. Das Resultat dieser Suche war, dass wir uns ca. 18 Stunden später in einem Flugzeug nach Finnland wiederfanden. :)
Bald setzten wir in Tampere unsere Füsse auf finnischen Boden und machten uns auf die Suche nach unserem Hostel. Skandinavische Hostels scheinen allgemein für einen gewissen Wow-Effekt zu sorgen, doch diese sehr stilvolle Unterkunft darf ich glaube ich mit gutem Gewissen auf Platz 1 meines persönlichen Hostelrankings setzen. Am Abend trafen wir eine finnische Bekannte von Sarah und gingen zusammen etwas essen. Aufgrund der Spontanität unserer Trips hatten wir natürlich nicht wirklich Zeit, uns über die Stadt zu informieren, so dass wir am nächsten Tag auf gut Glück auf Entdeckungstour gingen. Da die zwischen zwei Seen gelegene Arbeiterstadt aber recht überschaubar ist, war dies kein grosses Problem. Gegen Abend machten wir uns mit dem Zug auf in Richtung Hauptstadt. Auf der zweistündigen Fahrt durften wir uns vom Kondukteur erklären lassen, dass die finnische Bahn ausschliesslich finnische Studentenausweise für Studentenbillette akzeptiert. Na danke schön. Dazu schien es dem älteren Herrn noch Freude zu bereiten, unseren Ticketpreis zu verdoppeln und selbstverstädlich einen Zuschlag dafür zu kassieren.
In Helsinki machten wir uns dann wieder auf die Suche nach unserem Hostel, welches sich im ehemaligen Olympiastadion befand. Da die Stadt an der Küste liegt, wo zum Teil auch schwedisch gesprochen wird, sind die meisten Dinge zweisprachig angeschrieben. Wir waren wohl noch nie so froh, auf schwedische Wörter zu stossen, wie beim Frühstückseinkauf am nächsten Morgen. :D Wir gingen wieder auf Entdeckungstour durch die erstaunlich kompakte Hauptstadt. Nach den wichtigsten Plätzen, einem Bootsausflug auf die Festungsinsel und etwas zeitgenössischer Kunst genossen wir bereits unseren letzten Abend im Schwedischen Nachbarsland. Am frühen Morgen gings von Helsinki wieder zurück in unsere aktuelle Heimat.
Am Abend machte ich mich noch auf in die Studentenunterkunft in einem anderen Teil der Stadt, wo wir uns mit selbstgemachter Pizza verwöhnten. Nach einem gemütlichen Sonntag mit abendlichem Pokerturnier war diese zweite Fast-Ferienwoche dann auch vorbei und nun steht wieder etwas studieren an. Da sich die Mikroökonomievorlesung allerdings immernoch auf – für mich – Gymnasiumstoff (!) bewegt, wirds aber wohl etwas gemütlicher als letztes Quartal. :)



