Nun bin ich doch etwas von meinem Vorsatz, hier wöchentlich zu schreiben, abgekommen. Das liegt einerseits daran, dass nicht mehr besonders viel los war und andererseits daran, dass ich meine erste Nacht in einem Gefängnis hinter mir habe – doch dazu später mehr.
Während sich am Schnapszahldatum 11/11/11 überall Hochzeiten häuften nahm sich Jönköping diesen Tag als ideale Gelegenheit, das neue Theater und Kulturhaus Spira zu eröffnen. Dies geschah natürlich mit einer Feier, die für die kleine Stadt jedoch ziemlich unerwartete Ausmasse annahm. Mit 2000-köpfigem Chor, Konzert auf dem Dach, Licht- und Feuershow, Helikopter und Booten auf dem Wasser wurde das sehr stilvolle Gebäude noch stilvoller eingeweiht.
Die letzte Woche war relativ gemütlich und ich konnte von etwas profitieren, das in der Schweiz nie und nimmer möglich wäre. Hier haben Studenten ein Anrecht darauf, ihre Prüfungen (egal ob genügend oder ungenügend) nicht nur einzusehen sondern gleich zurück zu erhalten. Wenn man dann beim Durchschauen noch auf einen Korrekturfehler stösst, wird das ganze dazu unkompliziert angesehen und korrigiert. Falls die Aktion noch gerade die Differenz zwischen zwei Noten ausmacht, ist das natürlich umso besser. :) Eine höhere Note nachdem die Prüfung schon geschrieben wurde – das hatte ich seit dem Gymnasium nicht mehr. Warum gibts in der Schweiz eigentlich so eine Prüfungen-sind-streng-geheim-Politik?
Am Wochenende haben wir zu fünft dann nochmals das noch akzeptable Reisewetter ausgenutzt (wir erleben praktischerweise gerade einen überdurchschnittlich warmen Herbst) und uns auf den Weg in den Osten gemacht. Mit Zug und Bus gings erst an die Küste und von dort mit einer Fähre nach Gotland. Nach der dreistündigen, sehr luxoriösen Überfahrt kamen wir auf Schwedens grösster Insel an und machten uns auf den Weg in unser Hostel. Und hier folgt nun die vielleicht etwas langweilige aber doch sehr coole Auflösung meiner Einleitung: Die Herberge war in einem alten Gefängnis untergebracht, was doch eine sehr stilvolle Art zu übernachten ist. :) Den Samstag verbrachten wir in der kleinen Stadt Visby mit ihrem wunderschönen mittelalterlichen Stadtkern inkl. Stadtmauern und genügend Ruinen. Mit etwas Seeluft und einem sehr unterhaltsamen Abendessen liessen wir den gelungenen Tag ausklingen. Am Sonntag ging es mit der gerade noch erwischten Fähre dann wieder in Richtung Festland, wo wir bei einem kurzen Abstecher in Stockholm einen (sehr) kleinen Weihnachtsmarkt besuchten und uns am thailändischen Buffet verwöhnten. Mit dem Bus ging es dann wieder zurück nach Jönköping und das gelungene Wochenende war leider bereits wieder zu Ende.




