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Archiv vom September 2011



Mittwoch, 28. September 2011

Fjords

Letzten Donnerstag sollte sich also herausstellen, ob sich das frühe Aufstehen zum Ergattern eines der Norwegen-Tickets gelohnt hat. Soviel vorweg: Es war deutlich mehr als jede Minute anstehen wert. :) Um halb sieben Uhr abends fand sich unsere aus 50 Leuten bestehende Gruppe zusammen und machte es sich im Reisecar gemütlich. Nun galt es knapp 1000km quer durch Schweden und das westliche Nachbarland zurückzulegen. Nach einigen Filmen und mehr oder weniger angenehmem Schlaf erwachte ich bei Morgendämmerung und fand mich mitten in einer norwegischen Schlucht mit imposanten Wasserfällen, die sich mit ruhigen Seen abwechselten, wieder. So ein Erwachen wünscht man sich doch öfter und an einen weiteren Schlafversuch war nicht mehr zu denken. Kurz nach 9 Uhr erreichten wir Bergen, verstauten unser Gepäck im Hostel und machten und mehr oder weniger munter auf Erkundungstour.

Bergen ist ein kleines, niedliches Städtchen mit einem besonderen Charme. Nach dem Fischmarkt und der wohl obligaten Fahrt mit dem Funiculaire und anschliessedem Geniessen der Aussicht sind die Hauptsehenswürdigkeiten allerdings schon erschöpft. Wir gönnten uns also einen gemütlichen Tag und freuten uns nach einem kurzen Pubbesuch am Abend (zu norwegischen Preisen!) auf ein richtiges Bett.

Am nächsten Morgen ging es früh weiter. Zuerst stand eine 4.5-stündige Bootfahrt durch die norwegische Fjordlandschaft an. Sehr windig und wunderschön! :) Über den Wasserweg erreichten wir ein kleines Fischerdorf von wo es mit dem Bus weiter in unsere nächste Unterkunft ging. Diese war ein abgelegener Campingplatz, wo wir in kleinen Holzhütten wohnten. Den Abend verbrachten wir mit einer spontanen Wanderung, die schlussendlich 3.5 Stunden dauerte, bevor wir uns erschöpft etwas Schlaf für die “Adventure Tour” am nächsten Tag gönnten.

Mit einem Bus erklommen wir einige Höhenmeter, bis wir uns an einem Stausee wiederfanden (was wir aber erst am Abend sahen, da die Sicht am Morgen dank Nebel etwas bescheiden war). Unsere Gruppe überquerte den See mit einem Motorboot und wir fanden uns auf der anderen Seite vor einem Gletscher wieder. Dieser wurde mit der entsprechenden Ausrüstung einmal dem Seeufer entlang überquert – mit einer Mittagspause inkl. heisser Schokolade und grandioser Aussicht auf dem Gletscher. Es galt nun wieder auf die andere Seite des Sees zu kommen, was nun mit einem Kajak geschehen sollte. So ruderten wir in Zweierkajaks inmitten einer unglaublichen Kulisse ca. zwei Stunden zurück zum Ausgangspunkt. Von dort wurden wir zurück zur Unterkunft gefahren, wo eine heisse Dusche und ein gemütlicher Abend auf uns wartete.

Den letzten Tag unseres Trips verbrachten wir wieder in Boot und Bus, bis wir am Abend Oslo erreichten. Wir nutzten die wenigen Stunden in der Hauptstadt um etwas herumzustreunen und unsere Mägen zu füllen, bevor es um 23 Uhr wieder in Richtung Schweden ging. Wir erreichten Jönköping um 5 Uhr morgens, was mir ein wenig Schlaf ermöglichte, bis es an die Vorlesung ging.

Und nun stehen erstmals einige Deadlines und Ende nächste Woche bereits die erste Prüfung an. Realitätscrash ahoi. ;)

Mittwoch, 21. September 2011

Stockholm

Nun bin ich schon über einen Monat in Schweden – unglaublich wie die Zeit vergeht. Langsam beginnt sich auch ein gewisser Alltag einzupendeln. Hier und da eine Vorlesung, dort etwas Gruppenarbeit. Daneben Lernen, Billard spielen, etwas trinken gehen. So sah in etwa zumindest die letzte Woche aus. Da am Freitag der mexikanische Unabhängigkeitstag war, wurde am Donnerstag auf mittelamerikanische Weise gefeiert und natürlich mussten auch einige lokale Spezialitäten versucht werden.

Natürlich wird dieser Alltag in einem Austauschsemester aber immer wieder etwas unterbrochen. So machte ich mich am Freitag zu einem Spontanausflug nach Stockholm auf. Vor zwei Jahren habe ich die ca. vier Stunden von Jönköping entfernte Hauptstadt zu meiner europäischen Lieblingsstadt erklärt – und diese Position darf sie definitiv behalten. :) So bestand mein Wochenende also aus einer ausgiebigen Erkundungstour durch die Schönheit und Vielseitigkeit dieser Stadt. Daneben stand ein schwedentypisches Kaffee mit einer Kollegin aus der Schweiz und ein Konzert von Friendly Fires auf dem Programm. Letzteres startete interessanterweise erst um Mitternacht und trumpfte mit schwedischer Lautstärke. Die folgende temporäre Schwerhörigkeit hat sich aber definitiv gelohnt. :)

Nach einer Expressbusfahrt am Sonntagabend zurück in Jönköping wurde ich nach 3 sonnigen Tagen von einer ordentlichen Sintflut begrüsst. Naja, immerhin ist man danach genug wach um vorm Schlafen noch etwas mit Lernen aufzuholen.. PS: Allen zu Hause einen guten Start ins Semester. Und ich will niemanden jammern hören – sonst dürft ihr für mich in 3 Wochen Prüfungen schreiben kommen. ;)

Montag, 12. September 2011

AtmosFear

In den letzten Tagen zeichnete sich ein weiterer Unterschied des Studiensystems hier ab. Während man in Fribourg die ersten 2-3 Semesterwochen noch gemütlich nichts machen kann, kommt man mit dieser Angewohnheit hier schnell in Zeitnot. Da wir hier Quartalsprüfungen haben, fühlt sich die erste Session bereits jetzt ziemlich nahe an. Ausserdem gehören dicke Lernbücher und damit viel Lesen hier zum Standard. Diese Kursliteratur sei nämlich im Gegensatz zu Fribourg durchaus relevant für die fünfstündige (!) Prüfung. Daneben gibts natürlich auch noch eine praktische Gruppenarbeit, die irgendwann geschrieben werden muss. Sind da die Wochenenden schon für Ausflüge verplant, gibt das tatsächlich schon in den ersten Wochen lernintensive Nachmittage. Ungewohnt. Zum Glück habe ich nur einen “ernsthaften” (sprich ECTS-relevanten) Kurs dieses Quartal. :)

Ausserdem durfte ich vergangene Woche merken, dass hier der Stundenplan häufig ohne Vorwarnung umgestellt wird. Immerhin war ich nicht der Einzige, der vor verschlossener Tür stand. ;)

Ansonsten stand am Mittwoch der fast obligate Studentenausgang (mit vierstündiger Preparty) an und am Freitag wurde eine der Studentenunterkünfte kurzerhand zur Partyzone erklärt, die auch von unglaublich vielen Leuten besucht wurde. Wieder einmal ein verrückter Abend und meine erste Partie Beer-Pong. :D

Am Samstagmorgen machten wir uns dann mit dem Bus in Richtung Göteburg auf, wo wir den Vergnügungspark Liseberg besuchten. Skandinaviens grösster Freizeitpark ist zwar einiges kleiner als bspw. der Europapark, hat aber dennoch einige coole Attraktionen. Unter anderem gehört dazu der höchste Free-Fall-Tower in Europa – natürlich genau das richtige für meine Höhenangst. ;) Neben dem Dauernieselregen am früheren Nachmittag war dies ein sehr witziger Tag – und nass wurden wir dank überladenem Baumstammboot sowieso. :)

Den Sonntag nahm ich dann gemütlich in Angriff und besuchte einen kleinen Mittelaltermarkt, der in der Stadt stattfand. Übrigens ist hier in der Zwischenzeit der Herbst angekommen, der sich in sehr seltsamem Wetter zeigt. Zwei Wechsel von Regen zu Sonne pro Stunde sehe ich mittlerweile als nicht mehr aussergewöhnlich an. *g*

Montag, 5. September 2011

Q

Die Schweden scheinen alle zusammen ein interessantes Hobby zu teilen: Schlange stehen. Sei es klassisches Anstehen oder durch Ziehen einer Nummer – die Leute hier scheinen die Warterei zu mögen. Selbstverständlich ganz ordentlich und gesittet. Man nimmt diese Sitte aber auch als Austauschstudent relativ schnell an, doch dazu später mehr.

Am Freitag war ich glücklicherweise wieder etwas fitter und es stand der zweite Schwedischkurs an. Mein erster Eindruck dieser neuen Sprache: Viele Wörter und auch etwas an Grammatik sind dem Deutschen ähnlich, allerdings ist die Aussprache völlig anders. Eine Herausforderung ist es also erst einmal, die vielen seltsamen Laute richtig aneinander zu hängen. :) Später am Abend stand dann noch eine Kick-Off-Abschlussfeier statt, die schwedentypisch mit einer Preparty in einem der Wohnheime begonnen wurde.

Der Samstag gestaltete sich etwas ruhiger, so dass ich einige lange herausgeschobene Einkäufe erledigen konnte. Die IKEA hier sieht übrigens beängstigend identisch zu den unsrigen aus. Der einzige Unterschied ist, dass für mich nicht mehr erkennbar war, welches Name und welches Beschreibung eines Möbelstück waren. :D Am Sonntag begab ich mich mit meinem Mitbewohner zum Flugplatz, wo ein Flugfestival stattfand. Die Schweden nahmen es natürlich gelassen, dass durch den grossen Andrang ein Stau auf der Zufahrtsstrasse entstand und dich die Fahrzeit mehr als verdoppelte. Genau so gelassen, wie 40 Minuten in einer schön geordneten Schlange für einen Hamburger gewartet wurde. Es war schliesslich Sonntag und man hatte Zeit. Die Flugshows waren etwas enttäuschend, jedoch wurde dies durch den wunderbaren, sonnigen Tag durchaus kompensiert.

Wieder zurück in der Stadt zog sich mein Heimweg auch markant in die Länge, da man in dieser kleinen Stadt ganz einfach sehr vielen bekannten Gesichtern begegnet. :) Was übrigens sehr praktisch ist: Hier haben alle grösseren Supermärkte neben komfortablen Öffnungszeiten unter der Woche auch am Sonntag geöffnet. Für mich hiess es dann, früh ins Bett zu gehen, da am nächsten Morgen frisch übernommene schwedische Angewohnheiten angewandt werden sollten. Konkret heisst das, dass am nächsten Morgen um acht Uhr der Ticketverkauf für einen von der Studentenschaft organisierten Ausflug nach Norwegen startete. Da man hier natürlich gerne ansteht und die Tickets limitiert sind, hörte man im Voraus viele böse Storys. Um sicher zu gehen, nahmen wir also den ersten Bus und nisteten uns um 05:30 in der Schlange ein. Tatsächlich erwarteten uns schon einige, welche die Nacht dort verbracht und es sich mit Decken und Matten gemütlich gemacht hatten. Zweieinhalb Stunden später waren wir dann glückliche Besitzer eines der begehrten Tickets und hatten einen Grund zur Vorfreude mehr, bevor es übermüdet in die Vorlesung ging. :)

Donnerstag, 1. September 2011

On the dot

Montag Morgen um 10 Uhr stand Marketing auf meinem Stundenplan. Und 10:00 heisst hier übrigens 10:00 – wer zu spät kommt, steht vor verschlossener Türe und wird nicht mehr reingelassen. Da staunt sogar der Schweizer über die Pünktlichkeit der Schweden. Der Unterricht schaut etwas anders als gewohnt aus. Die Klasse ist mit 40-50 Studenten für meine Verhältnisse recht klein und der Unterricht dadurch interaktiver. Der Dozent (der hier übrigens ganz informell mit Vornamen angesprochen wird) scheint sehr sympathisch und der Kurs verspricht durch unterschiedliche Module (Vorlesungen, Fallstudien, Gruppenarbeit) spannend und abwechslungsreich zu werden. Ausserdem dauern die Kurse hier nur ein Quartal, also sieben Wochen. So weit also schon mal ein gelungener Gegensatz im Vergleich zu Fribourg. ;)

Mein zweiter Kurs in diesem Quartal ist eine Einführung in die schwedische Sprache. Auch dieser verspricht witzig und spannend zu werden, so dass ich mich also auch auf die Zeit im Unterrichtssaal freuen kann. Diese liegt übrigens mit ca. 10-12 Stunden pro Woche noch unter Fribourg. :) Wie viel es daneben zu Hause zu tun gibt, muss ich mal aber mal noch abwarten.

Ansonsten stand diese Woche noch die “Night-Mission” an: Die letzte Gelegenheit, für unsere Kick-Off-Gruppe Punkte zu sammeln. Mit vollem Einsatz – was unter Anderem pink lackierte Zehennägel, rasierte Unterschenkel und einen Haufen peinlicher Fotos bedeutete – zeigten wir, wer die beste Gruppe ist. Unsere Army gewann diese Mission, was der Kick-Off-Week doch ein durchaus gelungenes Ende bereitete. :) Den Rest der Woche verbrachte ich neben den Kursen bei einem kleinen Pokerturnier, beim gemeinsamen Nachtessen mit den (viiielen!) neuen internationalen Studenten und heute – leider – mit krank Herumliegen. Der schwedische Semesterbeginn fordert aber eben nun seine Opfer. ;)

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