Sonntag, früher Morgen, wir verladen unser Material. Einige Kisten hier, einige Kisten dort, drei Fahrräder, vier… Moment, drei Fahrräder? Hatten wir nicht mal vier? Die Konsultation einiger Listen bestätigte unsere Befürchtung, eine unserer eingängigen Rostlauben fehlte. Gestohlen. Wir sahen bereits, wie sich die Gewitterwolken zusammenbrauten. Normalerweise wäre es ja kein Problem, wenn ein Drahtesel mit Jahrgang zwischen 1950 und 1960 und höchstens Sammlerwert wegkommt. Pech gehabt, Versicherungsfall. Aber nicht etwa im Militär! Suchen bis gefunden war die Devise, die natürlich erfolglos ausging und uns einige Zeit kostete. Irgendwann schafften wir es dann aber doch nach Aarburg in den Bunker zurück.
Und es kam wie befürchtet. Kaum war unser Sondierzug wieder im Bunker in Aarburg eingezogen, wurden wir sogleich zur Wache verdonnert. Der zuständige Wachtzug genoss irgendeine Ausbildung und wir mussten ihre Aufgabe übernehmen. Eine langweilige und unsinnige Aufgabe. Die Zutrittskontrolle, die überprüft, wer ein und aus geht und für den Fall einer Evakuation eine Liste mit Personen führt, die sich innerhalb der Anlage aufhalten, sehe ich ja noch ein. Wenn es dann aber darum geht, tagsüber (und nur tagsüber) einen Parkplatz mit jeweils zwei übermüdeten Soldaten mit Waffen und scharfer Munition zu “bewachen”, der sich ausserdem neben einem Primarschulhaus befindet, habe ich Mühe.
Mein Posten als Wachtkommandant untertraf nochmals sämtliche Anforderungen der übrigen Wachtposten – ich hatte 18 Stunden am Stück praktisch nichts zu tun, musste mich aber möglichst immer im Wachtlokal aufhalten. Lange Schichten, in denen man sich beschäftigen muss und anschliessende verschlafene Tage führen schon mal dazu, dass man 48 Stunden kein Tageslicht sieht.
Immerhin habe ich mich in dieser Zeit neben Filmen, Serien, Zeitungen und Büchern auch dem Design dieser Seite gewidmet und dieses komplett überarbeitet. blackfrog wird in Kürze etwas dunkler und in Grün daherkommen – man darf gespannt sein. ;)
Am Mittwoch kam dann ein Befehl, den ich erst für einen militärisch berechneten Aprilscherz hielt. Das fehlende Fahrrad musste nochmals gesucht werden! Für eine höchstens fünfprozentige Chance, das kaum noch einen Wert habende Stahlpony zu finden, mussten drei Leute nochmals vom Aargau bis ans unterste Spitzlein Tessin fahren und dort einige Stunden herumkurven. Liebe “Führungspersonen”, es gibt so etwas wie eine Kosten-Nutzen-Analyse und die Armee verfügt über Umweltgrundsätze…
Irgendwann wurde es dann aber auch Donnerstag, wo uns nach der Materialrückgabe eine kleine Überraschung erwartete. Als kleine Abschlussschulreise in Grün gings nach Kloten in die Rega-Basis, wo wir von unserem Kameraden, der seine letzten WK-Tage soeben geleistet hatte, durch seinen Arbeitsplatz geführt wurden. Bald darauf wurde es Freitag, wo wir bei der Abgabe des Restmaterials immerhin noch etwas Vernunft erfuhren. Man verrechnete uns das fehlende Velo für plausible 150 statt dem stolzen Etatpreis von 923 Franken. Nach einigem Warten war mein erster WK vorbei und wir wurden wieder in die Freiheit entlassen. :)