Als ich gestern nach Hause kam, erwartete mich bereits ein verdächtig militärisch aussehendes Couvert. Es beinhaltete das Reglement 55.066 – Artilleriewetterdienst; ohne Begleitbrief, ohne Notiz. Danke schön lieber Staat, aber was genau soll ich jetzt damit?
Das Reglement beschreibt die Auswirkungen des Wetters auf die Geschossballistik, die ich höchstens aus dem Physikunterricht kenne und die Handhabung des “neuen” Peilers, den ich noch nie zu Gesicht bekommen habe. Naja, jemand hat entschieden, dass ich das Büchlein brauche, also werde ichs wohl auch benötigen…
Genau solche Entscheide haben auch meine zweite WK-Woche geprägt. Diese fing erst einmal mit einem ganzen Tag Herumliegen an, während die Soldaten einrückten und sich einrichteten. Am Abend watschelten dann tatsächlich beide Kompanien – mit Helm und Gewehr ausgerüstet – in 8er-Kollonnen über einen knöcheltief matschigen Fussballplatz, um sauber aufgereiht im Regen einem Major zuzuhören, der uns bestärken wollte, unsere Leistungsbezüger so zufrieden zu stellen, dass sie strahlen werden wie die Sonne auf unserem Badge…
Anschliessend übernahmen wir zur Nationalhymne aus einem Autoradio einen alten Lumpen mit Schweizerkreuz die Standarte, bevor wir uns zurück zur Unterkunft begaben.
Da am Dienstag das Schiessen angesagt war, welches wir Wachtmeister bereits letzte Woche über uns ergehen lassen durften, hatten wir wieder nichts zu tun und wurden zur Wache verdonnert.
Am Mittwoch dann der spannende Test: Funktioniert unsere Anlage dieses Mal? Zu meiner Überraschung funktionierte fast alles und wir konnten problemlos eine Sondierung starten. So brachen wir am Tag darauf ins Tessin auf, wo wir die Anlage an ihrem Einsatzort aufstellten. Natürlich funktionierte plötzlich ein Rechner nicht mehr, wäre sonst ja auch seltsam gewesen. Wortwörtlich eine Mücke aus einem Elefanten machte dann aber unsere Führung: die komplette 7.5-Tonnen-Anlage sollte wegen dieses defekten und nicht einsatzrelevanten Computers ersetzt werden – obwohl weder sicher war, dass der andere Peiler funktionieren würde noch der Transport ins Tessin auch nur annähernd mit den heiligen Umweltschutzgrundsätzen unserer Armee vereinbar wäre. Als unseren Vorgesetzten endlich klar gemacht werden konnte, dass sie wegen eines defekten Reifens doch auch nicht ihr ganzes Auto tauschen, war der neue Lastwagen natürlich bereits im Tessin. Immerhin haben wir nun ein Ersatzteillager.
Irgendwann lief das Ganze dann aber und wir konnten mit einem Minimum an Leuten einige Ballone steigen lassen, bevor wir die Woche mit einem Pizzaessen ausklingen liessen. Noch eine kurze Nacht dank KP-Wache und schon war für mich WK-Halbzeit. Am frühen Morgen brachen wir los, um die lange Heimfahrt anzutreten. Allerdings nicht in Ruhe, wurde uns doch per Telefon mitgeteilt, dass wir am Montag trotz Personalmangel noch mehr Leute abgeben müssten, weil sie – natürlich ausgerechnet während dem Einsatz und nicht etwa dann, wenn sie nicht dringend benötigt werden – einen Kurs belegen sollen…
Muss ich das Wort Chaosarmee noch in den Mund nehmen?




Hehe das mitm Chaos ehm… Unstrukturiertheitsproblem kenni sit dr bekanntschaft mit öiem Kadi inklusive vorladig vom Wätter Stab zu gut ;) Aber ja passier nüt schlimmers als e Ärnschtisatz ;-)