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Archiv vom August 2008



Sonntag, 31. August 2008

Virtuelle Unendlichkeit

Dass sich die technische Welt rasend schnell entwickelt, ist ja bekanntlich nichts Neues. Ich staune immer wieder, wievieles heute möglich ist, was man vor einigen Jahren noch nicht zu träumen wagte. Besonders extrem verhält es sich mit dem Voranschreiten bei Dateigrössen und Speicherplatz. Noch vor wenigen Jahren hatte ich über ein gutes altes Piep-Piep-Modem Verbindung zum Internet und ab und zu ein kurzes low-quality Video herunterzuladen war Luxus. Heute kann ich an einem Wochenende schnell mal ein paar Gigabytes saugen – und das ganze immer schneller. Ich staunte, als gestern plötzlich die Daten mit über 500 KB/s durch meine Leitung rasten. Eine kurze Suche lieferte die Erklärung: “Per 25. August 2008 erhöht Swisscom die Bandbreite ihrer Internetanschlüsse…”

Diese Steigerung der Verbindungsgeschwindigkeit ins Internet ist natürlich nur eine Folge des immer mehr unendlich scheinenden Speicherplatzes. Waren vor wenigen Jahren 50 MB für ein Mail-Konto bereits viel, habe ich heute bei GMail 7 GB; und täglich werdens mehr. Als ich vor vier Jahren meine erste Digitalkamera kaufte, zahlte ich für 256 MB auf einem Memorystick auch noch über 60 Franken. Heute gibts das achtfache für unter 20 Fr. Ebenso verhält es sich mit USB-Stickts und besonders Festplatten. Speicherplatz kostet immer weniger und lässt das IKEA-Motto Create more Space virtuell zum Einfachsten der Welt machen.

Wo Platz vorhanden ist, wird dieser Platz natürlich ausgenutzt. Was aber, wenn der vorhandene Platz de facto unendlich gross ist? Es sammelt sich immer mehr und mehr an und es ist keine Motivation mehr vorhanden, bestimmte Dinge auszumisten. Auch wenn ich mich selber eher als Sammler bezeichnen würde, bin ich mit dieser Entwicklung doch nicht ganz einverstanden. Was, wenn sich diese Hamster-Mentalität zunehmend auf die wirkliche Welt überträgt? Digital können wir alles verstauen (ob wir es dann auch wieder finden, wenn wir es brauchen, sei mal dahingestellt), unsere Regale, unsere Welt aber haben noch klar definierte Grenzen.

Nehmen wir das Beispiel Fotografie: Seit der digitalen Technik wird viel mehr geknipst, schliesslich können schlechte Bilder ja wieder gelöscht werden. Natürlich sehe ich diesen Punkt ebenfalls als grossen Vorteil, doch finde ich es nach wie vor wichtig, sich vor dem Abdrücken einige Gedanken zu machen. Ebenso in der Nachbearbeitung: Auch wenn ich theoretisch Speicherplatz für mehr Fotos habe, als ich je machen werde, wird bei mir trotzdem nach jedem Shooting so aussortiert, dass nur noch diejenigen Fotos bleiben, die ich zu früheren Zeiten in ein Album geklebt hätte. Qualität statt Quantität trotz unbegrenztem Raum.

Und bevor ich eine weitere externe Festplatte kaufen werde, werde ich sicher meine alte erst ausmisten – auch wenn der Zeitaufwand und die freigewordene Datenmenge in keinem Verhältnis zum Preis eines neuen Speichermediums stehen würde.

Samstag, 30. August 2008

LMAA

Eine weitere sinnlose Woche in der Schweizer Armee ist um, ein weiteres viel zu kurzes Wochenende steht an, bevor das ganze wieder von vorne beginnt…

Wer jetzt das Gefühl hat, dass meine Stimmung nicht gerade die beste ist, liegt völlig richtig. Startete ich doch am Montag noch einigermassen motiviert, nahm diese Motivation aber spätestens am Dienstag ab, nachdem ich 3 Mal die selbe dreistündige Lektion gehalten habe. Zu Recht erhielt meine Lektionenbewertung die Bemerkung LMAA – die stabsadjutantische Abkürzung für eine Leck-mich-am-Arsch-Stimmung. Vielleicht liegts daran, dass ich Tag für Tag aufstehe um anschliessend um 7 Uhr Morgens (was immer mehr zur dunklen Nacht wird) in einer sinnlosen Formation herumzustehen, die sowiso nicht schön ausgerichtet ist, so dass man noch 3 Mal zurücktreten und sich neu formieren kann. Und ein Tag, der schon sinnlos beginnt, geht nur in den wenigsten Fällen besser weiter…

Einiges wiederum sinnloses Herumkommandieren bestimmter Herren Zugführer rundeten die Anschiss-Stimmung in dieser Woche noch herrlich ab. Das einzig Positive waren die beiden Ausgänge und für uns Kader der Freitagmorgen bzw. -nachmittag. Ohne Zugführer schnappten wir uns einige Kisten Munition sowie Knall- und Nebelpetarden und verzogen uns auf unseren Schönwetterschiessplatz in Oberurnen. In Erinnerungen an unsere ersten 3 UOS-Wochen schwelgend genossen wir eine Ausbildung in Feuer und Bewegung. Unter andauerndem Beschuss der Scheiben zogen wir ins gegnerische Gebiet vor, suchten Schutz hinter Erdwällen und in Schützengräben und sorgten für ordentlich Lärm und Rauch um anschliessend wieder sicher in Deckung zu gelangen. Jaja, unser Schiessplatz Walenberg – ein Spielplatz für grosse Kinder. :D

Leider wurde die Stimmung am letzten Abend aber durch einen unfähigen Fahrer, sehr seltsames Essen und wohl wahnsinnig gewordene Zugführer gleich wieder getrübt. Hoffen wir mal, dass die nächsten Wochen wieder besser werden – immerhin sinds immer noch zwölf…

Samstag, 23. August 2008

Altocumulus

Wie wir es bereits in unserer UOS erlebt haben, war auch jetzt der Unterschied von der Grundausbildung zum technischen Dienst riesig. Mit einem Schlag wird irgendwie alles gemütlicher und plötzlich auch einigermassen interessant. Endlich kam man auch wieder etwas aus der Kaserne hinaus – auch wenns nur das Ergänzungsgebäude in Dürrbach ist. Wir Wetterkader erhielten einen modernen Vorbereitungsraum und äusserst grosszügige Vorbereitungszeiten, was das Arbeiten um einiges angenehmer macht, auch wenn wir uns erst wieder an den Humor bestimmter Adjutanten gewöhnen mussten. Aber auch den Rekruten machen die neuen Themen rund um die Meteorologie deutlich mehr Spass, so dass sich das Arbeitklima von diversen Ah-ich-mag-die-Schutzmaske-nicht-schon-wieder-anziehen-Lektionen eindeutig positiv abhebt.

Eine lockere Stimmung zeichnet sich erfahrungsgemäss auch in den Ausgängen aus und da war auch diese Woche keine Ausnahme. Gerüchten zufolge soll besonders das Kader ordentlich gefeiert haben, was aufgrund von Erinnerungslücken allerdings nicht bestätigt werden kann. ;) Nächtliche Vorfälle werden natürlich wie bisher immer als “Geheim” eingestuft und gedeckt getarnt unter den Teppich gekehrt. (= hier gibts keine bösen Ausgangsgeschichten :P)

Kritischer Tag dieser Woche war der Donnerstag, als wir mit den Rekruten ins schöne Oberurnen (natürlich wieder einmal mit sonnigem Wetter) fuhren und SAT-Schiessen übten. Rekruten, die zum Teil das Sichern der Waffe noch nicht beherrschen, mit geladenem Gewehr herumrennen und Verschiebungen unter Feuer üben lassen – klingt doch etwas heikel, nicht? Glücklicherweise ist der Tag gut verlaufen und alle konnten nach einigen zusätzlich verschossenen Knall- und Nebelpetarden lebendig am Abend in den Ausgang.

Der Freitag war zum letzten Mal sehr von Führungstheorie geprägt und da uns leider erneut einer unserer Kameraden aus privaten Gründen verlassen mussten, konnten wir gleich die Theorie des Gruppenbildungs und -zerfallprozesses praktisch umsetzen. Nach etwas Abendsport war dann auch wieder Wochenende. Noch 13 Wochen…

Samstag, 16. August 2008

Sehr gut

Fertig AGA! Nach 7 Wochen ist die Allgemeine Grundausbildung nun abgeschlossen und unsere Rekruten können alles, was ein Schweizer Soldat grundsätzlich eben so können muss, einigermassen. Das wurde gleich zu Beginn der Woche in der Inspektion deutlich gezeigt, schnitt doch die gesamte Kompanie mit der Note 4 (sehr gut) ab – der wahre Elitezug landete wegen einem einzigen Punkt aber leider nur auf Platz 2. Es gab einiges Lob an die Rekruten und auch an uns Kader. Sogar – und das setze uns Obgfrs alle doch sehr in Verwunderung – unser ehemaliger Kadi verlor einige positive Worte über die Sturmgewehrhandhabung!

Wie auch in unserer 7. Woche stand ebenfalls am Montag die Übung Terzo an. Der 15-Kilometer-Marsch, der für mich damals wohl der bisher schlimmste Tag im Militär war. Ganz anders sah zum Glück der zweite Versuch aus: Das Wetter spielte am Anfang mit und auch als wir später verregnet wurden (was einige Déjà-vus zur Folge hatte), war dies dank der Temperaturen doch eher eine angenehme Abkühlung als eine Erschwernis. Die Strecke war grundsätzlich die selbe, mit dem grossen Unterschied bei Checkpoint 3 – der Punkt, an welchem wir damals im grössten Schlamm unsere Feuerstelle errichteten, abkochten und anschliessend erst im ABC BG4, dann im BG2 die letzten 6 Kilometer nach Dübendorf zurückliefen. Bei diesem dritten Kontrollpunkt stiegen wir in die Fahrzeuge ein, wurden in die Kaserne gefahren, konnten dort etwas Trockenes anziehen und anschliessend dort zu Abend essen – inklusive Dessert! Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich wohl auch erst im Sommer in die RS gegangen…

Der Dienstag war dann gemütlich und der Ausgang ausgiebig – jedenfalls für diejenigen, die den Munitionstest bestanden haben. Ich blieb mit 3 meiner Kollegen noch in der Kaserne um mit einigen Rekruten den Test bis zu 5 Mal (!) nachzuschreiben…
Am Mittwoch hiess es trotz merklich Restalkohol KD-Schiessen, so dass wir den Morgen in Frauenfeld verbrachten und einige Wachtdienstscheiben bodigten.

In der Kaderausbildung war eine Nachtübung angekündigt, in welcher wir unseren eigenen Abschlussmarsch planten und erkundeten. Da ich diese Woche Gruppenführer war, war ich mit Lagebeurteilung und Zeitplanung gefordert, was aber sehr Spass machte, da wir die Übung von Anfang bis Ende selbstständig organisieren und bestreiten konnten. Und beim Eindunkeln mit einem Puch in der Gegend herumzuirren und durch unwegsames Gelände zu cruisen ist natürlich auch nicht unlustig. ;)

Nachdem alle Resultate vorgestellt waren, hiess es schon wieder Ausgang und dann war auch bereits Freitag. Die Züge wurden umgestellt, die Kaderanwärter verliessen die RS und wir Gruppenführer trafen unsere Fachausbildner wieder einmal und konnten uns den ganzen Tag auf die nächste Woche vorbereiten. Endlich fertig Manipats, Schutzmasken und Druckverbände – jetzt gehts wieder um Cumuli, Troposphären und Ballonsondierungen. :)

Samstag, 9. August 2008

Woche 22

War schon ein komisches Gefühl, letzten Sonntag einzurücken. Nicht nur, dass nach einem tollen langen Wochenende die Motivation nicht tiefer hätte sein können, nein, man wusste auch, dass alle Kollegen, mit denen man im März angefangen hatte, fertig waren.
Ausserdem war der Ausblick auf die zweitägige Schiessübung Difesa und auf einen Nacht-Waffenlauf am Mittwoch nicht besonders aufmunternd.

Allerdings hatte die FULW Schoggi-RS 95-2 einiges mehr Glück mit der Difesa als wir damals – auch wenn es einigen Rekruten gleich ging wie mir und diese beim Herrn Stabsadjutanten antraben mussten. Das Wetter war perfekt, die Verschiebung in bequemen Duros und die Zeitplanung klappte tadellos, so dass sogar Zeit für Schlaf blieb. So war die ganze Übung natürlich auch für uns gemütlich und lief glücklicherweise unfallfrei ab.

Actionreich war dann für uns Kader der Mittwoch Morgen, als wir die Mitteilung erhielten, aufgrund der Zeckenplage müsse für unseren Waffenlauf (der während dem Ausgang stattfinden sollte) eine andere Route gewählt werden und diese sei nun 21 Kilometer lang. Die sonst schon wegen durchhängender Motivation angeschlagene Stimmung schlechterte sich noch mehr, so dass einige Diskussionen ausgelöst wurden, die natürlich perfekt zu unserem Wochenthema Stress und Stressbewältigung passten.
Am Mittag kam dann Entwarnung: Der Ausgang wird uns nicht gestrichen, die Info bezüglich Waffenlauf war nur ein Mittel zum Zweck und der geplante 15-Kilometer-Lauf wird ein anderes Mal nachgeholt.

Die Stimmung besserte sich schlagartig, so dass die restlichen Tage der Woche gemütlich und friedlich abliefen – durchzogen von einigen turbulenten aber sehr witzigen Ausgängen. ;) (Weitere Informationen dazu sind aufgrund unserer Vorbildfunktion nicht möglich^^)

Den Abschluss bildete der Blutspende-Freitag, der für Kader sogar noch gemütlicher ist als für die Rekruten. Nun gehts ab ins Wochenende um Kraft zu tanken für die letzte AGA-Woche, die gleich mit der Inspektion starten wird. Da werden wir sehen, ob unsere Arbeit in den letzten 6 Wochen etwas gebracht hat…

Samstag, 2. August 2008

Lachkrämpfe

Michl, du bist der Beste! :D

Michel Mittermeier

Freitag, 1. August 2008

Nationalfeiertagsferien

Hach, wie schön, endlich wieder einmal ein langes Wochenende! Gestern Donnerstag konnten wir – nach einer Viertelstunde im kompletten Ausgänger in der Sonne stehen – wenige Minuten nach Mittag abtreten. Dreieinhalb Tage und drei Nächte – könnte man schon fast Ferien nennen. :)

Zuvor war die Woche von einem eindeutig besseren Klima unter den Kadern und massiv angezogener Führung geprägt. Nach vier Wochen gebundenen Händen konnte und musste nun endlich die fehlende Disziplin durchgesetzt werden. Ob nun 7 Stunden Knigge abschreiben oder eine Disziplin- und Respektförderungsübung für Zug 3 im Ausgang, die “Erziehungsmassnahmen” wurden eindeutig strenger. Was dies für Auswirkungen auf das Verhalten der Rekruten hat, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.

In der Kaderausbildung hiess es für uns am Mittwoch den ganzen Tag SAT-Schiessen. SAT = Sofortaktionstechnik, also das Verhalten, wenn man überraschend Feind… äh, pardon: Gegnerkontakt hat. Mit knapp 15’000 Schuss im Gepäck machten wir uns auf zu unserem Lieblingsschiessplatz in Oberurnen, wo uns wiederum wunderschönes Wetter erwartete. Wir schossen den ganzen Tag und verfeinerten unsere Technik bis pünktlich zur Abendessenzeit ein heftiges Gewitter über uns hereinbrach. Durchnässt verpflegten wir uns, putzen unsere Flinte (die mit 300-500 Schuss pro Person einmal wirklich dreckig war) und sammelten unsere Hülsen auf (!)…
Da es wegen dem Regen und mangels Zeit nicht so mit Abendessen klappte, stellten wir ein Gesuch, auf dem Rückweg einen Zwischenstopp im Burger King zu machen, das sogar bewilligt wurde. Wir standen allerdings unter Zeitdruck und orderten deshalb telefonisch im Voraus – leider vermasselte man unsere Bestellung, so dass wir enttäuscht leer ausgingen. Dank unserem super Küchenchef winkte uns in Dübendorf aber neben einem leckeren Dessert noch eine geniale Fleischplatte – an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank dafür! :)

Schönen 1. August!

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