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Halbzeit…

Mich nach zweimaligem herstellen der Zimmerordnung über das Wochenende freuend, machte ich es mir heute im Zug bequem, schnappte mir die erstbeste Zeitung und was finde ich da auf der Titelseite? Schon wieder den Mösiö Nef. Zum x-ten Mal in Folge muss ich mir die Visage unseres Armeechefs auf der Frontseite ansehen – da frage ich mich doch, wie es die Armee schafft, so viele Negativschlagzeilen zu bringen. Erst das Kanderunglück, dann die Zeckeninvasion und jetzt die “Affäre Nef” – obwohl duzende aus meiner Sicht sinnlose oder übertriebene Massnahmen getroffen werden, steigern sich die Meldungen. Gibt es auf dieser Welt sonst nichts spannendes? Jeder der im Militär war, weiss, dass es sich um einen absoluten Chaosverein handelt. Muss das also auch noch jeden Tag wieder in den Zeitungen erwähnt werden? Wenn ich doch immerhin an meinem eh schon zu kurzen Wochenende nicht auch noch von diesem grünen Unsinn verfolgt würde…

Naja, jedenfalls sind jetzt unsere ersten zwei Wochen als Gruppenführer um und an die neue Funktion habe ich mich auch so langsam gewöhnt. Zwar sind die Tage wieder bedeutend länger geworden, doch ist es eine interessante Erfahrung, vor Leute zu stehen, sie zu unterrichten und auch zu “erziehen”. Bisher lief es gar nicht so schlecht, die Lektionen konnten wir gut vorbereiten und durchführen und haben dabei zum Glück auch einige Motivation des Zuges im Rücken. Allerdings klappt es auch eine Stufe höher überhaupt nicht mit der so hoch geschätzten Information und Kommunikation, so dass es doch häufiger auch chaotisch zugeht. Nach 19 Wochen in grün hat man sich daran aber bereits erstaunlich gut gewöhnt. Apropos 19 Wochen, letzten Mittwoch hiess es doch tatsächlich Halbzeit. Jetzt nochmals so lange und es ist geschafft – ich weiss immer noch nicht, ob ich mich freuen oder heulen soll…

Diese Entscheidung schiebe ich aber gerne heraus und nutze das Wochenende, um etwas Schlaf zu tanken. Eine nächtliche Schuhputzaktion, frühe Tagwache wegen Schiessprogramm, eigene Nachtübung (inkl. “biwakieren” in einer Barake – böse, böse Zecken!) und zu guter Letzt die Ausgänge, die man der Abwechslung wegen doch irgendwie geniessen muss, zerren an der Nachtruhe. Und nächste Woche geht es weiter: Marsch, Schiessen und einige Solidaritäts- und Sanktionsübungen, von welchen sich die Rekruten noch überraschen lassen dürfen, stehen an. Evtuell geht es bereits Sonntags mit einer schlafarmen Nacht los…je nach dem ob sich lieben Rekruten, die nach dem Ausgang nichts besseres zu tun haben, als Dusche mit Pissoir zu verwechseln, immerhin die Courage haben, sich zu melden. Ich hoffe es jedenfalls – für mich und für die ganze (unschuldige) Kompanie…

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